Hagel vermasselt Landtagswahl: Stark gestartet und dann doch hart gelandet
Hagel vermasselt Landtagswahl Stark gestartet und dann doch hart gelandet
Analyse | Berlin · Am Ende ist ihm die Puste ausgegangen, trotz starker Zugewinne – CDU-Mann Manuel Hagel wird nicht neuer Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden. Damit hat er es auch für den Kanzler vermasselt.
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Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU, bei seiner Stimmabgabe zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Wenige Tage vor der Landtagswahl waren die Vertrauten von Manuel Hagel noch einmal darum bemüht, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Auch im Berliner Politbetrieb.
Die Grünen hätten doch eine Kampagne gegen den CDU-Spitzenkandidaten orchestriert, ließ man wissen, und „eine Viralwelle“ in Gang gesetzt. Gerade Hagels Umfeld merkte man den Druck und die Nervosität an, nicht zuletzt auch wegen der Aufholjagd der Grünen in den Umfragen.
Ob es die Kampagne tatsächlich gab? Der Mann, der im Ländle sowieso Mühe gehabt hat, bekannt zu werden, hat es dann am Ende wohl eher selber vermasselt: Manuel Hagel, 37 Jahre alt, verheiratet, „Papa von drei Kindern“, wie er gerne sagt, ist nicht der strahlende Wahlgewinner bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg geworden. Auch wenn er für die Union einen deutlichen Zugewinn holen konnte, der Wahlausgang ist eine herbe Enttäuschung für die CDU insgesamt, die sich einen anderen Start ins Superwahljahr vorgestellt hatte.
Dabei ist Hagel der Typ Schwiegersohn, stets korrekt frisiert und gekleidet, breites Lächeln, Bankausbildung, einst Privatkundenberater und Filialleiter einer Sparkasse. So einem vertraut man im Ländle das eigene Sparbuch an. Aber Charisma? Na, ja. Einer zum Anfassen? Na, ja. Gar ein Volkstribun? Noch mal na, ja. Freilich einer, der zumindest in den Landesthemen in Form gewesen ist, den Eindruck hatte man in den diversen TV-Formaten. Trotzdem hat es der CDU-Fraktions- und Parteichef in Baden-Württemberg nicht geschafft, den anfänglich satten Vorsprung bei den Demoskopen zu halten, die Union wieder eindeutig rein in die Villa Reitzenstein am Hang eines Stuttgarter Hügels zu führen, dem Sitz des Ministerpräsidenten. Dabei war er stark gestartet – jetzt ist er zunächst einmal hart gelandet.
In der Bundes-CDU hatte man auf einen Erfolg gehofft, weil dieser Rückenwind für Kanzler Friedrich Merz in schwierigen Regierungszeiten bedeutet hätte. Aber so richtig daran geglaubt hat man dann doch nicht mehr in den letzten Wochen, als die Grünen mit Cem Özdemir immer näherkamen; als ein acht Jahre altes Video mit komischen Aussagen Hagels zu einer Begegnung mit einer Schülerin und ihren „rehbraunen Augen“ vom politischen Gegner öffentlich gemacht wurde. Und weil dann noch der eine oder andere Lapsus dazukam. Nun ist der Frust auch im Konrad-Adenauer-Haus groß, das Kopf an Kopf-Rennen hat man verloren.
Ein Verdienst des ehemaligen Ministranten Hagel ist es zumindest, dass er den zerstrittenen Landesverband einen konnte, jedenfalls in der Phase des Wahlkampfes, als es richtig gut lief. Unter anderem deshalb soll sogar Altkanzlerin Angela Merkel neulich zum CDU-Parteitag nach Stuttgart gekommen sein, um ihre Unterstützung für die Union ihres verstorbenen Weggefährten Wolfgang Schäuble zu zeigen. So ein Vertrauter.
Aber auch das hat nicht geholfen, um die Grünen auf Platz eins abzulösen. Friedrich Merz hat nun aus dem Ländle einen deftigen Dämpfer erlitten fürs Regieren in Berlin. Hagel wird nicht der neunte Ministerpräsident der Union werden - und Nummer zehn sollte am Ende des Monats mit CDU-Mann Gordon Schnieder in Rheinland-Pfalz folgen. Aber auch dort ist der Wahlausgang nach anfänglicher, klarer Führung der Union mittlerweile wacklig – und damit auch ein Erfolg für den Kanzler und CDU-Vorsitzenden in Berlin.
