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Social Media: Seit wann eigentlich nennen wir den Jugendschutz „Verbot“?

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01.03.2026

Oh, da schäumen sie wieder, die Erregungswellen im weltweiten Netz und insbesondere bei den Tech-Giganten jenseits des Atlantiks. Dieses fiese kleine, angeblich so liberale Europa will mal wieder alles verbieten. Vor allem dies: Kinder jeden Alters mit einem nachweislich süchtig machenden, nie endenden Strom von teilweise virtuos gefälschten Videos zu überschütten, die sie mit Mord, Totschlag, Sex und Crime überfluten und sie politisch und religiös radikalisieren.

Das ist Zensur, schimpfen sie, und so sind mittlerweile auch Wissenschaft und Politik in Europa aufgewacht und erwägen ernsthaft, ob die Geschäftemacherei mit der Droge der vermeintlich Sozialen Medien weiterhin keine Grenzen kennen soll. Und komischerweise hat sich dafür der Begriff „Social-Media-Verbot“ breitgemacht.

Jugendschutz heißt auch nicht „Kinderschnapsverbot und Zigarettenzensur“

Dann nennen wir Jugendschutz künftig bitte „Kinderschnapsverbot“ oder „Zigarettenzensur“, weil Achtjährige weder an Kiosk noch Kneipe rund um die Uhr den Gelüsten jenseits von Gummibärchen nachgehen dürfen. Seit wann eigentlich darf Jugendschutz nicht mehr so heißen?

Und warum diskutieren wir beim Jugendschutz im Internet immer darüber, dass er möglicherweise umgangen wird? Wird er mit Sicherheit. So, wie es auch vorkommt, dass Menschen mit anderen illegalen Drogen handeln oder sie konsumieren. Deswegen wird keiner auf die Idee kommen, morgen alle Drogen freizugeben, weil sie sich nicht alle im Gesetzesrahmen bewegen.

Man möchte den US-Tech-Giganten einen Deal anbieten: Ihr führt unsere Regeln ein für Offline-Sex und dessen Darstellung, für No-Speedlimit-Autoraserei und Alkohol rund um die Uhr, insbesondere deutsches Bier. Und dann reden wir noch mal. Ach so, ich vergaß kurz die Waffengesetze auf eurer Seite des Atlantiks. Abgeschossen, der Deal? Schade. Also zurück ins Inland.

Vielleicht sperrt sich die CSU gegen diesen Social-Media-Schund-Schutz samt Hitlerhuldigung und Holocaustleugnung auch nur, weil die Tochter von Markus Söder womöglich mit dem Ex-Google-Chef Eric Schmidt liiert ist?

Nicht böse sein, verehrter bayerischer Ministerpräsident. Unter anderem vor solchen Verschwörungstheorien wollen wir doch bitte auch die bayerischen Mädchen und Buben bewahren.


© NRZ