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Merz: Das XXL-Ego des Kanzlers ist Segen und Fluch

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01.03.2026

Sechzehn Jahre Merkel – sechzehn Jahre Merz? Wer jetzt in irres Kichern ausbricht, weil er im Kopf überschlägt, wie alt der Kanzler dann wäre, sollte sich kurz bremsen. Sicher, bislang denkt Friedrich Merz nur laut über eine zweite Amtszeit nach und nicht an den Rekord seiner Vorgängerin. Doch eines muss allen klar sein: Dieser Mann hat genau das unerschütterliche Selbstbewusstsein, das in diesen robusten Zeiten überlebenswichtig ist.   

Die Lage in vier Sätzen: Merz geht auf Konfrontation zu Trump. Merz hat die AfD im Nacken. Merz hat eine nervöse Partei, die mit Debatten über Lifestyle-Teilzeit Shitstorms lostritt. Und: Merz hat mit der SPD einen Partner an seiner Seite, der im Überlebenskampf gerne mal Richtung Klassenkampf zuckt.

Wer jetzt in Mitleid ausbricht, liegt aber genauso falsch: Merz hat Fehler gemacht, die man nicht macht, wenn man die Dinge vom Ende her denkt: große Versprechen, die nicht erfüllt wurden (Herbst der Reformen), großspurige Pauschalurteile (Stadtbild), die ohne Not polarisiert haben.

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Das robuste Selbstbewusstsein, das dem Kanzler auf der internationalen Bühne gerade die nötige Unerschrockenheit verleiht, kann in der Innenpolitik gefährlich werden. Zumindest dann, wenn er es nicht klug einsetzt. Vom Ende her denken heißt zum Beispiel, den Moment ernst nehmen, den der Parteitag in Stuttgart lieferte: Die CDU feiert Merz UND Merkel. Merz sollte den Schwung mitnehmen und für sich nutzen. Die ungeduldige Grobheit, mit der er den Applaus für seine Vorgängerin vorschnell beenden wollte, zeigt die unkontrollierte Seite seines XXL-Egos.


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