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Ner Neue: Neoliberaler Geist

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02.03.2026

Die Wirtschaftsweisen erhalten ein neues Gesicht. Überraschend hat die Bundesregierung das Mandat von Ulrike Malmendier nicht verlängert und stattdessen Gabriel Felbermayr in den Sachverständigenrat berufen. Felbermayr ist Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und gilt als Experte für Handels- und Geoökonomie.

Ein Einstand nach Maß wird das für den 49-Jährigen nicht – denn die Abberufung Malmendiers ist umstritten. Mit ihr verliere das Gremium ein hochgeschätztes Mitglied mit internationalem Renommee, heißt es in einer Stellungnahme der Kollegen. Man werde »insbesondere ihren Blick von außen aus den USA auf Europa und Deutschland vermissen«. Die Umbesetzung geht auf die Initiative von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zurück, die dabei auf Rückendeckung aus dem Kanzleramt setzte. Die SPD sprach sich gegen eine Umbesetzung aus.

Mit Felbermayr, der als Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien tätig ist, erhält das Gremium eine neue Ausrichtung. Während sich Malmendiers Forschung auf die Verhaltensökonomik konzentriert, gilt Felbermayr als Verfechter des Freihandels – er soll im Rat die Lücke bei geopolitischen Themen schließen. Im Handelskonflikt mit den sich isolierenden Großmächten China und den USA rät er Europa zu größerem Selbstbewusstsein. Europa müsse »auf smarte Weise Industriepolitik betreiben«, sagte er kürzlich dem »Handelsblatt«.

Von der Stellungnahme der Wirtschaftsweisen zum Ausscheiden Malmendiers distanzierte sich das Mitglied Veronika Grimm. Offenbar gibt es innerhalb des Rates unterschiedliche Ausrichtungen – und es bleibt offen, ob das Gremium mit Felbermayr künftig mit einer Stimme sprechen wird.


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