Übernahme der Commerzbank: Lasst sie doch!
Der Vorstand sagt nein, die schwarz-rote Bundesregierung ist dagegen und der Betriebsrat schäumt. Die nationalen Reaktionen auf das Kaufangebot der Unicredit für die mittelkleine Commerzbank waren erwartbar. Die Aktionäre, insbesondere der Bund mit seiner Beteiligung von zwölf Prozent, trügen nun Verantwortung für den deutschen Mittelstand, für Millionen Privatkunden und für tausende Beschäftigte, heißt es.
Was die gutbezahlten Banker betrifft, mag man die Sorge teilen. Schließlich gehört die Hypovereinsbank in München ebenfalls der italienischen Großbank, die dort viele Stellen abbaute. Doch welchen Schaden sollten die Firmenkunden der Frankfurter »Mittelstandbank« durch eine feindliche Übernahme nehmen? Oder gar die Privatkunden?
Die schwächelnde EU-Wirtschaft droht zwischen den geoökonomischen Polen China und USA erdrückt zu werden. Um sie international besser aufzustellen, werden global stark aufgestellte Kreditinstitute benötigt. Das ist die knallharte Logik des Finanzkapitalismus. Welche man nicht mögen muss, aber welche hier sogar ausnahmsweise mal im Interesse der arbeitenden Menschen außerhalb der Banken wirken könnte.
Der Staat war am Höhepunkt der Finanzkrise zum ersten Mal bei einer, damals noch großen, Privatbank als Investor eingestiegen. Sollten die Aktionäre der Commerzbank nun tatsächlich mehrheitlich verkaufen, hätte der Bund die Chance, Milliarden zu erlösen. Sie wären etwa in der Bildung gewiss besser aufgehoben als in einem Geldhaus.
