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Protest gegen Alice Schwarzer: Feindbildunschärfe

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09.03.2026

Gegen eine Lesung und Diskussionsveranstaltung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gab es in letzter Minute eine Protestnote mit 340 (in Anonymität verharrenden) Unterzeichnern. Als die erwartungsgemäß mediales, aber kein sonstiges Echo auslöste, stürmten einige Menschen kurzerhand die Bühne. Was ist passiert? Sollte etwa völkischen Nationalisten à la Björn Höcke das Wort erteilt werden? Oder wollte man den Profiteuren der derzeit wütenden Kriege eine Bühne geben?

Es ist viel simpler: Alice Schwarzer hat ihr neues Buch vorgestellt. Wie jeder weiß, hat Schwarzer für die Frauenbewegung mehr als ein halbes Jahrhundert gekämpft: in ganz verschiedenen Fragen der sexuellen Selbstbestimmung. Wie ebenfalls jeder weiß, ist sie zuletzt durch krude Ansichten aufgefallen: etwa durch Unterstützung von Politikerinnen reaktionärer Parteien. Letzteres mag Kopfschütteln hervorrufen; zum Verstummen muss man Schwarzers Stimme allerdings nicht bringen. Das routinierte Wegcanceln gehört neuerdings zum aktivistischen Hauptgeschäft. Ein diskursives Armutszeugnis.


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