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Kai Wegner: Der Regierende, der sich wegduckt

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Den freien Tag genießen, die Füße hochlegen, ein bisschen Sport machen – für viele sieht so wohl ein idealer freier Tag aus. Aber was macht man in Krisensituationen? Einfach so weiter? Das Handy weglegen und nicht reagieren?

Allem Anschein nach war das die Herangehensweise, die der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gewählt hat, als am 3. Januar ein Brandanschlag im Südwesten der Hauptstadt den Strom für mehrere Zehntausend Berliner*innen lahmlegte. Nach Kritik daran, dass er öffentlich nicht sichtbar war, hatte er behauptet, er habe sich »zu Hause eingeschlossen« und sei »den ganzen Tag am Telefon« gewesen. Bald stellte sich aber heraus: Wegner war Tennis spielen – wie er im Nachhinein erklärte, weil er »einfach mal den Kopf frei kriegen« wollte, nach intensiven Gesprächen am Vormittag.

Der »Tagesspiegel« hat jetzt aber herausgefunden, dass Wegner auch am Vormittag nicht sonderlich viel koordiniert hat. Textnachrichten und interner Austausch mit der Senatskanzlei stehen zu Buche. Kein Gespräch mit dem Stromnetz Berlin, keines mit Bundesbehörden. Und auch für seine Senatskolleg*innen war Wegner wohl nicht erreichbar: Erst vier Stunden, nachdem Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) versucht hatte, ihn anzurufen, meldete er sich den Angaben nach zurück. Kurz vor seiner Tennispause.

Menschlich mag es nachvollziehbar sein, dass Wegner mit so einer Ausnahmesituation an einem freien Tag nicht umzugehen wusste. Politisch aber ist das Verhalten eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig. Das weiß auch Wegner selbst, sonst hätte er die Öffentlichkeit nicht immer wieder aufs Neue belogen und verheimlicht, wie wenig er tatsächlich gemacht hat.


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