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Die AfD und der Filz: Die weiße Weste ist bekleckert

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26.02.2026

Die sogenannten Altparteien – für die politische Rechte sind das vor allem Union, FDP, SPD und Grüne. Jede von ihnen hat nach dieser Lesart Dreck am Stecken, die einen mehr, die anderen weniger. Und es stimmt: Flick-Gelder, CDU-Spendenskandal, Aserbaidschan-Affäre, Cum-Ex, Trauzeugen-Affäre oder Corona-Masken – schon immer haben sich bürgerliche Politiker die Taschen vollgemacht oder Freunde oder Bekannte in Amt und Würden gebracht.

Die AfD wollte mit all dem nichts zu tun haben. Sie sei eine »Partei neuen Typs«, behaupten ihre Vertreter noch heute. Nicht im marxistisch-leninistischen Sinne, wie es beispielsweise die KPD sein wollte. Gemeint war eine Partei, die außerhalb des »Systems« stehe, nicht mit den Mächtigen kungelt und sich »für Deutschland« stark macht. Spätestens seit Recherchen über Vetternwirtschaft bei der Partei die Runde machen, ist das ausgemachter Blödsinn.

Was war passiert? In Sachsen-Anhalt berichtet die Presse seit geraumer Zeit über sogenannte Überkreuz-Anstellungen, bei denen AfD-Abgeordnete die Verwandten anderer Parteimitglieder beschäftigten. So soll der Vater des Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen, Andreas Siegmund, für 7725 Euro monatlich als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines Parteikollegen beschäftigt gewesen sein. Ein paar Kilometer weiter westlich, im AfD-Landesverband Niedersachsen, gibt es ähnliche Vorwürfe. Im Fokus dort: Landeschef Ansgar Schledde.

Christian Klemm arbeitet seit 2007 beim »nd«. Er ist Leiter des Online-Ressorts nd.aktuell.

Alles nicht schön, vor allem in Sachsen-Anhalt nicht. Denn dort führt die AfD die Umfragen mit mehr als zehn Prozent Vorsprung gegenüber der CDU mit etwa 40 Prozent an. Im September wird ein neuer Landtag gewählt. Und da kann man natürlich keine Schlagzeilen gebrauchen, die die AfD als Selbstbedienungsladen darstellen.

Doch die aktuelle Vetternwirtschaft ist nur ein neuer Fleck auf der angeblich so weißen Weste der AfD. Inzwischen hat man dort schon einiges vollgekleckert. So hat die Partei mehrere Gönner, die immer mal wieder größere Summen an Landesverbände überweisen – und nicht immer läuft alles nach Vorschrift ab. Zwei Unternehmen aus der Schweiz beispielsweise hatten vor der Bundestagswahl 2017 mehr als 130 000 Euro auf das Geschäftskonto des baden-württembergischen Kreisverbands von Parteichefin Alice Weidel überwiesen. Für den Bundestag eine verbotene Annahme anonymer Spenden.

Diese Zuwendung ist im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, nicht mehr als Kleinkram. Denn im Vorfeld der vergangenen Bundestagswahl hat die AfD eine Plakatspende im Wert von ungefähr 2,3 Millionen Euro erhalten. Nimmt man das gesamte vergangene Jahr, so gingen 5,1 Millionen Euro Großspenden auf das Konto der AfD – Platz zwei hinter der CDU, die 6,2 Millionen an Großspenden bekommen hat. Sieht so also eine »echte Alternative zu den Systemparteien« aus?

Parteigründer Bernd Lucke hatte auf dem Gründungskonvent der AfD im April 2013 von einer »Zwangsjacke der erstarrten und verbrauchten Altparteien« gesprochen, die gesprengt werden müsse. Und von einer »erschreckenden Degeneration des deutschen Parlamentarismus«. Die Lucke-Erben haben ihre Partei selbst zu einer dieser »Altparteien« gemacht – ohne es zu merken.


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