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Die Luitpoldstraße: Wo 53 Nationen aufeinandertreffen – und einer an London denkt

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29.08.2026

Manchmal bleibt Nuray Bico an der Straßenecke stehen und beobachtet die Menschen. Mal lächeln sie sich an, mal meiden sie den Blickkontakt. Manche schauen mit Wut, manche mit Abscheu, manche verängstigt, sagt die 67-Jährige, selbst Tochter türkischer Gastarbeiter und seit Ende der 60er Jahre in Schweinfurt. Hier, in der Luitpoldstraße, treffen Menschen aus unterschiedlichsten Nationen aufeinander. Bico treibt um, wie sie miteinander umgehen.

Die Luitpoldstraße ist eine Hauptverkehrsader und misst von der Landwehrstraße bis zur Rüfferstraße rund 555 Meter. Wer in die Innenstadt will, fährt durch die Allee, an deren Rand so viele Bäume stehen wie in kaum einer anderen Straße der Stadt. Mehrstöckige Altbauten aus der Gründerzeit, breite Gehwege und ein Geschäft neben dem anderen erzeugen einen Hauch von Großstadtgefühl. Eine Straße, die jeder in Schweinfurt kennt. Und die dafür steht, was das ganze Viertel ausmacht: Vielfalt.

881 Personen mit rund 53 Nationalitäten leben laut Daten der Stadt Schweinfurt in der Luitpoldstraße. 89 Gewerbebetriebe sind gemeldet, davon 39 Ladengeschäfte. Wer sind die Menschen, die hier wohnen und arbeiten?

Lana Markovska ist die Luitpoldstraße zu grau

Eine davon ist Lana Markovska. Eine Reportage über die Luitpoldstraße? Sie will eigentlich nichts sagen, als sie gerade ihren Aufsteller vor die Tür stellt. Ihr Deutsch sei nicht so gut, außerdem sei sie schüchtern. Dann erzählt sie aber doch: Seit drei Jahren ist sie in Deutschland, geflohen aus der Ukraine wegen des Krieges. Den Laden für Haarverlängerungen in Schweinfurt betreibt sie seit Dezember 2025.

Die Luitpoldstraße findet sie optisch langweilig. Ohnehin scheint Tristesse der erklärte Feind der 30-Jährigen zu sein. Sie ist am ganzen Körper bunt tätowiert, ihr Laden so bunt und extravagant, dass er ebenso gut in Berlin oder Hamburg stehen könnte: Schachbrettboden, Leo-Sessel, dunkle Wände, viel Pink. Ein bisschen provozieren wolle sie damit auch, gibt sie zu. Über dem grellen Sofa hängt eine Collage aus Hollywoodgesichtern – mittendrin ihr eigener Kopf.

Markovska arbeitet nur nach Terminen. „Lana war erst in Karlstadt, dann in Würzburg, jetzt in Schweinfurt“, sagt eine Stammkundin. „Und ich immer hinterher.“ Die Kundin mit der weitesten Anreise, sagt Markovska, komme aus Österreich. Privat aber, sagt sie, sei sie in Schweinfurt noch nicht richtig angekommen. Es sei schwierig, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen.

Nuray Bicos Familie gehörte zu den ersten Gastarbeitern

Dass man mit unbekannten Kulturen erst einmal fremdelt, kennt auch Nuray Bico. Sie war neun, erinnert sie sich, gerade frisch nach Deutschland gekommen, als sie zur Osterzeit eine Kirche besuchte. Die dunklen Räume, die schwarze Kleidung des Pfarrers, der Weihrauch: sie machten ihr Angst.........

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