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Wenn ein Platz nicht schweigt

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02.06.2026

02. Juni 2026 – 17. Siwan 5786

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Wenn ein Platz nicht schweigt

Gedanken zum 85. Jahrestag der Zerstörung der alten Synagoge von Esch-sur-Alzette durch die Nationalsozialisten

Auf dem heutigen Place de la Synagogue in Esch-sur-Alzette steht man nicht einfach auf einem Platz. Man steht auf Erinnerung.

Hier stand ein Haus des Gebets. Ein Ort, an dem Stimmen klangen, Namen gerufen wurden, Kinder an der Hand ihrer Eltern kamen, Menschen beteten, feierten, trauerten und hofften. Ein Ort jüdischen Lebens mitten in der Stadt.

Jüdinnen und Juden waren hier nicht fremd. Sie waren Nachbarinnen und Nachbarn. Eltern und Kinder. Freundinnen und Freunde. Menschen, die arbeiteten, lachten, hofften, liebten und ihr Leben in Esch aufbauten.

Dann kam der 3. Juni 1941.

An diesem Tag entlud sich der Hass der Nationalsozialisten an diesem Ort mit brutaler Gewalt. Ohne Erbarmen. Ohne Scham. Ohne Achtung vor dem Heiligen. Ohne Achtung vor dem Menschen.

Die alte Synagoge von Esch wurde zerstört. Doch sie wurde nicht einfach »abgerissen«. Sie wurde angegriffen. Geschändet. Ausgelöscht.

Nicht nur Steine wurden zerbrochen. Nicht nur Mauern niedergerissen. Nicht nur ein Gebäude vernichtet. Getroffen werden sollte jüdisches Leben im Herzen dieser Stadt: Menschen, ihre Namen, ihre Stimmen, ihre Gebete, ihre Würde.

Die Täter wollten diesen Ort leer machen.

Leer von Gebet.Leer von Namen.Leer von Zugehörigkeit.Leer von jüdischer Gegenwart.

Sie wollten, dass hier nichts bleibt.

Aber dieser Platz ist nicht leer.

Er trägt Erinnerung.Er trägt Namen.Er trägt Verantwortung.

Frieda Freymann und ihre Kinder Minna Sarah und Heinrich gehörten zu dieser Stadt. Ebenso Heinrich Nussbaum, seine Frau Johanna und ihr Sohn Bernard Marcel. Bernard Marcel war ein Kind aus Esch – geboren in dieser Stadt, mit einem Namen, einem Gesicht und einer Zukunft, die ihm genommen wurde. Sie wurden aus der Mitte dieser Stadt gerissen, entrechtet, deportiert und ermordet.

Nicht irgendwo am Rand der Geschichte, sondern als Menschen, die hierher........

© Juedische Allgemeine