Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«
23. Oktober 2026 – 12. Cheschwan 5787
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Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«
»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik.«
23.10.2026 12:02 Uhr
Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC) und einst einer der engsten Vertrauten Benjamin Netanjahus, erhebt wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl schwere Vorwürfe gegen den Ministerpräsidenten. Netanjahu habe wiederholt seine persönliche Macht und politische Zukunft über die Interessen Israels gestellt und eine weit fortgeschrittene Friedensvereinbarung mit Syrien aus parteipolitischem Kalkül scheitern lassen. Auch die Beteiligung rechtsextremer Politiker an der Regierung, die beschädigten Beziehungen zu den USA und Europa sowie die Entfremdung zwischen Israel und jüdischen Gemeinden in der Diaspora bereiten ihm große Sorgen, so Lauder.
In einem Interview mit »Haaretz« spricht der 82-jährige US-Milliardär ungewöhnlich offen über das Ende seiner langjährigen Freundschaft mit Netanjahu. Zugleich richtet er einen eindringlichen Appell an die israelischen Wähler. »Ich möchte, dass mir die Menschen zuhören«, sagt Lauder. Er habe jahrzehntelang geschwiegen, doch inzwischen sehe er die Grundlagen gefährdet, die Israel zu einem besonderen Staat gemacht hätten. »Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie. Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik.«
Lauder, der seit zwei Jahrzehnten an der Spitze des WJC steht, hat über seine Stiftung erhebliche Summen für jüdische Einrichtungen und Projekte in Israel sowie jüdische Schulen in Osteuropa bereitgestellt. Er pflegte Kontakte zu zahlreichen Staats- und Regierungschefs und gehörte einst zum engsten persönlichen Umfeld Netanjahus.
Inzwischen hat er nach eigenen Angaben seine letzten Immobilien in Israel verkauft beziehungsweise abgegeben. Seine Wohnung in Tel Aviv habe er veräußert, sein Haus in Beer Schewa dem Jüdischen Nationalfonds überlassen. »Ich habe praktisch alle meine Verbindungen dorthin gekappt«, sagt er. Auf die Frage, ob er nach Israel zurückkehren wolle, antwortet er unmissverständlich: »Ich habe keinerlei Absicht, nach Israel zurückzukehren. Null.«
Eine Freundschaft, die an der Macht zerbrach
Lauder lernte Netanjahu kennen, als dieser in den 1980er-Jahren israelischer Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York war. Aus der Bekanntschaft entwickelte sich eine enge Freundschaft. Die beiden hätten sich häufig getroffen, miteinander gelacht und über Politik ebenso wie über persönliche Angelegenheiten gesprochen, erzählt Lauder. Er habe Netanjahu damals als offenen, sympathischen Menschen erlebt und ihm sogar geholfen,........
