Tapfer, klar, integer: Maram Stern wird 70
Wenn es jemanden gibt, der keinen Wert legt auf große Worte und öffentliche Gratulationen, dann ist er es. Getöse in eigener Sache, das widerspricht nicht nur seinem Charakter, sondern auch seinem Job. Maram Stern ist Diplomat. Aber nicht irgendeiner. Er wirbt für jüdische Interessen, dort, wo es am schwierigsten ist, und dort, wo es aussichtslos scheint.
In den 1990er Jahren rang er gemeinsam mit Kardinal Walter Kasper um die Öffnung der vatikanischen Akten aus der Zeit Papst Pius XII. Es ging um die Frage, was der Vatikan über die Schoa gewusst hatte. Als die Geheimarchive endlich aufgingen, im Jahr 2020, auf Geheiß von Papst Franziskus und noch immer gegen heftige Widerstände in der Kurie, stellte sich heraus: alles. Pius XII. und seine Leute wussten einfach alles, sie waren über die nationalsozialistischen Judenverfolgungen von Anfang an genauestens unterrichtet worden, vor allem durch die Verfolgten selbst, die in zahllosen flehentlichen Briefen aus ganz Europa ihre Lage schilderten.
Es ist eine erschütternde Lektüre, und wer heute meint, das Wesentliche über die Grausamkeiten von damals zu wissen, auch über das Ausmaß des schweigenden Opportunismus, der wird eines Schlechteren belehrt.
Maram Stern ist der Sohn zweier Auschwitz-Überlebender, geboren 1955 in Berlin. Dass er sich trotz allem um ein gutes Verhältnis zwischen Juden und Christen bemüht hat, dass er auch heute im Vatikan noch das Gute vermutet und vertrauenswürdige Partner........
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