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Es war einmal ein »Reich der Güte«

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02. Juli 2026 – 17. Tamus 5786

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Es war einmal ein »Reich der Güte«

Vor 250 Jahren wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Aus jüdischer Perspektive war die Entstehung der Neuen Welt auch der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte

Eine wichtige 250-Jahr-Feier gab es bereits, und zwar im Jahr 1905. Damals sollte auf Initiative der altehrwürdigen Spanischen und Portugiesischen Synagoge in New York, auch bekannt als Congregation Shearith Israel, sowie der American Jewish Historical Society ein ganz besonderes Ereignis gewürdigt werden: die 1655 erteilte Erlaubnis der niederländischen Westindien-Kompanie, dass sich Juden in Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York, niederlassen dürfen.

Es war eigens ein Exekutivkomitee ins Leben gerufen worden, das beschloss, »dass jede jüdische Gemeinde in den Vereinigten Staaten aufgefordert wird, am Samstag (25. November) vor Thanksgiving 1905 entsprechende Gottesdienste abzuhalten«. In der Carnegie Hall fand eine große Gedenkfeier statt. Zu den Rednern gehörte der ehemalige US-Präsident Grover Cleveland, und der amtierende Theodore Roosevelt schickte eine Grußbotschaft. Das Ganze war zudem eine Premiere: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hatten amerikanische Juden eine gemeinsame Veranstaltung organisiert, um ihre Leistungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie ihren Patriotismus öffentlich zu feiern.

Der Immigration Act von 1924 bereitete der Phase einer relativ unbeschränkten Zuwanderung ein Ende

Dabei war zu diesem Zeitpunkt die große Mehrheit der amerikanischen Juden gerade erst ein paar Jahre im Land. Man befand sich 1905 inmitten einer Einwanderungswelle, die zwischen 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs über zwei Millionen Jüdinnen und Juden aus dem östlichen Europa in die USA brachte. Dann kam der Immigration Act von 1924 und bereitete der Phase einer relativ unbeschränkten Zuwanderung ein Ende.

Ungeachtet zahlreicher Erfolgsgeschichten war der Neustart für die meisten von ihnen alles andere als einfach, schließlich gab es auch jenseits des Atlantiks Armut, soziale Konflikte und Antisemitismus. »No Dogs and Jews Allowed«-Schilder waren in manchen US-Bundesstaaten noch in den 50er-Jahren keine Seltenheit.

Doch die USA blieben in der Wahrnehmung der allermeisten Juden die »Goldene Medine«, und das mit einer geradezu magnetischen Anziehungskraft. Das jiddische Wortpaar steht emblematisch für ein »goldenes Land«, in dem man nicht einfach nur ein Untertan ohne Rechte oder ein potenzielles Opfer für das nächste Pogrom war, sondern ein Staatsbürger im modernen Sinne. »Amerika war in den populären jüdischen Vorstellungen ein Symbol der Freiheit und Gleichheit, ein Land, in dem die vielfältigen Missstände der diasporischen Geschichte überwunden werden konnten«, bringt es Julian Levinson in seinem Beitrag dazu in der »Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur« auf den Punkt.

Die Vereinigten Staaten waren ein Gegenmodell zur Alten........

© Juedische Allgemeine