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»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

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28. Oktober 2026 – 17. Cheschwan 5787

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»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

»Freiheit ist leicht zu verteidigen«

Der Philosoph und Fernsehmoderator Raphaël Enthoven über Verantwortung, Spinozas Erbe und das Einzige, was uns wahrhaft zu erfüllen vermag

Herr Enthoven, wie viel Freiheit steckt in der Songzeile der Rolling Stones »I can’t get no satisfaction«?(…) Wenn man die Verszeile für sich nimmt, dann hört man darin die Beschwerde des demokratischen Menschen. Moment! (Er zieht Nietzsches »Also sprach Zarathustra« aus dem Regal.) Es ist die Geschichte des letzten Menschen, der das Glück erfunden hat. Befriedigung erlangt er nur durch Glück. Er glaubt, Selbsterfüllung allein in sich zu finden, und findet sich dennoch in einer Situation des Mangels. Als handelte es sich um einen unverschämten Vertragsbruch, durch den uns Befriedigung verwehrt würde. In Wahrheit aber gibt es nichts Zufriedenstellendes in einer Welt, die Befriedigung anvisiert. Nichts ist erfüllend am Kult der Befriedigung. Denn die Befriedigung bedeutet die Wiederauferstehung des Verlangens. Ist man befriedigt, verspürt man erneut ein Verlangen. Wenn man sich zufriedengibt mit der Befriedigung, wird man niemals erfüllt sein.

Hatten Sie selbst jemals dieses Lebensgefühl?Ja, natürlich. In jeder Hinsicht. »I can’t get no satisfaction« ist die Entdeckung, dass ein Leben nicht erfüllt sein kann durch Produkte oder narzisstische Belohnungen. Was vielen Erfüllung zu bringen scheint, rührt von dem her, was Spinoza die »falschen Güter« nennt. Güter, die man mehr oder weniger leicht bekommen kann, aber deren Natur zweifelhaft ist. Sex, Ruhm, Geld. Sex versetzt dich in die Angst, dass du nicht mehr kannst. Ruhm macht dir Angst, dass er versiegen könnte. Geld schürt die Angst, dass dein Nachbar mehr haben könnte als du. Bist du im Besitz dieser »falschen Güter«, bist du dennoch nicht befriedigt. Spinoza stellt diesen trügerischen Gütern das höchste Gut gegenüber: ewige und unendliche Liebe. Nur diese ist in der Lage, uns wahrhaft zu erfüllen. (…)

Ist die Abkehr vom Säkularen heute die größte Gefahr für individuelle Selbstbestimmung?Am Ursprung des Laizismus steht – wieder einmal! – ein Text von Spinoza. Im »Tractatus theologico-politicus« untersagt er der Religion die Herrschaft. Er greift ziemlich heftig alle Religionen und den Aberglauben an. Die Menschen seien hin- und hergeworfen zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und befänden sich in einem Zustand der Versklavung. Spinoza demontiert die Idee eines transzendenten Gottes. Am Schluss des Vorwortes aber sagt er, er habe das Glück, in einer Republik zu leben, in der jeder so frei ist, das Idol seiner Wahl anzubeten. Anders formuliert: Am Ursprung der Toleranz steht die Dekonstruktion religiöser Gewissheiten. Am Anfang der Toleranz steht ein Diskurs, der der Religion abspricht, die Wahrheit zu sagen. Eine Gesellschaft, in der alle Religionen gleich sind und in den Privatbereich verbannt wurden, konnten wir erst konzipieren, nachdem man der Religion das Privileg der Wahrheit abgesprochen hat. Im Kern der Laizität steckt also ein tiefer Unglaube. Das ist nicht gerade politisch korrekt. Schließlich sagen wir ja, jeder könne säkular sein, laizistisch. Aber nein! Schmarrn! Laizismus bedeutet zuallererst die Weigerung, anzuerkennen, dass die Religion die Wahrheit über die Welt sagt. Nur so kann man die Präsenz verschiedener Religionen tolerieren. Laizismus ist in diesem Sinne ein irreligiöses Werk. Das ist logisch, denn eine vernunftbasierte Regierung ist ein besserer Garant der Glaubensfreiheit als eine Theokratie. Eine Theokratie gesteht den anderen Religionen........

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