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Wohin mit den Privilegien?

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20.03.2026

Zum Internationalen Frauentag am 8. März war ich Teil einer Aktion: Ein Frauennetzwerk hatte hundert Männer angesprochen, um sich auf Social Media öffentlich zu solidarisieren. Ich bot in meinen Posts an, Spenden von Männern für Frauenrechte zu verdoppeln. Das Ergebnis war ernüchternd.

Ich muss zugeben, ich war etwas geknickt. Und habe den etwas bösen Gedanken zugelassen, dass ein guter Teil der Beteiligten vermutlich ein Vielfaches für die leicht schulterklopfenden Texte der PR-Beraterinnen ausgegeben hatte. Dann aber habe ich mich halb ertappt, halb verstanden gefühlt, als ich einen feministischen Text las, der die Doppelbödigkeit von Männern anklagte, die sich öffentlich so engagieren, wie ich es getan hatte.

Das Argument traf. Männer, die progressive Botschaften senden, werden vom System belohnt – mit Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit, Einfluss. Was für Frauen selbstverständlich ist, wird an ihnen zur bemerkenswerten Tugend. Das Gefälle bleibt.

Vielleicht hatte ich die Zurückhaltung meiner Geschlechtsgenossen missverstanden? Vielleicht spiegelte es weniger Desinteresse als vielmehr ein instinktives Gespür für den Widerspruch, mit einem etwas gönnerhaften Engagement genau von denen missverstanden zu werden, die man unterstützen möchte? Das ist keine Feigheit. Das ist, in dieser Logik, sogar konsequent.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März war ich Teil einer Aktion: Ein Frauennetzwerk hatte hundert Männer angesprochen, um sich auf Social Media öffentlich zu solidarisieren. Ich bot in meinen Posts an, Spenden von Männern für Frauenrechte zu verdoppeln. Das Ergebnis war ernüchternd.

Ich muss zugeben, ich war etwas geknickt. Und habe den etwas bösen Gedanken zugelassen, dass ein guter Teil der Beteiligten vermutlich ein Vielfaches für die leicht schulterklopfenden Texte der PR-Beraterinnen ausgegeben hatte. Dann aber habe ich mich halb ertappt, halb verstanden gefühlt, als ich einen feministischen Text las, der die Doppelbödigkeit von Männern anklagte, die sich öffentlich so engagieren, wie ich es getan hatte.

Das Argument traf. Männer, die progressive Botschaften senden, werden vom System belohnt – mit Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit, Einfluss. Was für Frauen selbstverständlich ist, wird an ihnen zur bemerkenswerten Tugend. Das Gefälle bleibt.

Vielleicht hatte ich die Zurückhaltung meiner Geschlechtsgenossen missverstanden? Vielleicht spiegelte es weniger Desinteresse als vielmehr ein instinktives Gespür für den Widerspruch, mit einem etwas gönnerhaften Engagement genau von denen missverstanden zu werden, die man unterstützen möchte? Das ist keine Feigheit. Das ist, in dieser Logik, sogar konsequent.


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