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Elon Musk sei Dank? Ukraine erobert Gebiete zurück

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18.02.2026

Ukrainekrieg: Gebietsgewinne für Kiew / Bayer: Glyphosat-Vergleich lässt Aktie steigen

Liebe Leserinnen und Leser,

monatelang war die russische Armee in der Ukraine auf dem Vormarsch, wenn auch langsam und unter hohen Verlusten. Nun ist vor allem in der Region nahe der Stadt Saporischschja die Ukraine wieder in der Offensive.

monatelang war die russische Armee in der Ukraine auf dem Vormarsch, wenn auch langsam und unter hohen Verlusten. Nun ist vor allem in der Region nahe der Stadt Saporischschja die Ukraine wieder in der Offensive.

Ein möglicher Grund: US-Milliardär Elon Musk hat die missbräuchliche Nutzung seines Satellitennetzwerks Starlink durch die russische Armee unterbunden. Laut russischen Militärbeobachtern ist die Verbindung seit dem 5. Februar unterbrochen. Starlink ist wichtig für die Kommunikation und die Drohnensteuerung der Truppen auf beiden Seiten. Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko bestritt gestern allerdings im Staatsfernsehen, dass die Starlink-Abschaltung Folgen für die russischen Drohneneinsätze habe.

Nach Berechnungen des amerikanischen Thinktanks Institute for the Study of War hat die ukrainische Armee allein zwischen Mittwoch und Sonntag 201 Quadratkilometer ihres eigenen Staatsgebiets zurückerobert. Die Fläche entspricht fast den Geländegewinnen der russischen Armee im gesamten Dezember.

Von einem Wendepunkt des Krieges wollen Experten dennoch nicht sprechen. Der österreichische Militärexperte Gustav Gressel sagt: „Die ,Wende‘ würde ich noch nicht diagnostizieren, aber Russland ist natürlich nicht so stark und unbesiegbar, wie es seine Propaganda weismachen will.“

Bedeutsam dürften die Rückeroberungen dennoch sein: Jeder militärische Erfolg stärkt die Position der Ukraine in den Gesprächen mit Russland und den USA, die heute in Genf weitergehen sollen.

Glyphosat-Vergleich lässt Bayer-Aktie steigen

Bayer sucht den Befreiungsschlag im Rechtsstreit um seinen Unkrautvernichter Glyphosat in den Vereinigten Staaten. Dazu hat der Konzern mit den Anwälten der Kläger einen erneuten außergerichtlichen Vergleich geschlossen. Bayer ist bereit, bis zu 7,25 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 21 Jahren an bestehende und neue Kläger zu zahlen, teilte der Konzern am Dienstag mit.

Der Vergleich kommt parallel zu einer Klage von Bayer vor dem obersten Gericht der USA, dem Supreme Court. Der Konzern hofft dort auf eine für ihn vorteilhafte Grundsatzentscheidung, die neue Glyphosat-Kläger abschrecken würde. Doch seien beide Wege notwendig, um die Rechtsstreitigkeiten „möglichst umfassend, möglichst sicher und möglichst schnell einzudämmen“, teilte Bayer mit. Das Geld zur Finanzierung des Vergleichs soll aus Rückstellungen bereitgestellt werden.

Die Aktien des Leverkusener Konzerns schlossen gestern gut sieben Prozent im Plus. Der ungelöste Rechtsstreit in den USA lastete seit Jahren schwer auf dem Aktienkurs.

Computer sollen bei BMW für Fahrfreude sorgen

Echte BMW-Fans könnte man nachts um drei wecken und sie würden wahrscheinlich aus dem Stegreif aufzählen können, was für sie die „Freude am Fahren“ bedeutet, die der Konzern zu seinem Leitmotiv erkoren hat: die seidig hochdrehenden Sechszylinder, das Gokart-Feeling in den Kurven, das maskuline Röhren der M-Versionen... Und was die Motorpresse-Lyrik sonst noch so zu bieten hat.

Aber was bleibt davon in der Ära der Elektromobilität? Schaltgetriebe, Sportauspuff, alles Insignien des Gestern. Künftig soll die Freude am Fahren im „Heart of Joy“ stecken. Der Name klingt für mich nach einem Swingerclub in der Voreifel, tatsächlich handelt es sich aber „um einen neuartigen BMW-Zentralrechner“.

Er verbindet die E-Antriebe an den Rädern mit Sensoren. Wie der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt, registrieren die Sensoren ebenso wie die Bewegungen des Fahrzeugs. Das sollen die Insassen etwa in Kurven spüren, wenn der Rechner die Antriebs- und Bremskräfte optimal zwischen den Rädern verteilt.

Allerdings sei offen, schreibt mein Kollege Felix Stippler, inwieweit Argumente wie Fahrfreude und Performance für Elektroautos noch relevant sind. Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft McKinsey unter mehr als 25.000 Verbrauchern weltweit kam 2025 zu dem Ergebnis, dass Fahrdynamik für Verbrennerkunden ein signifikant wichtigerer Faktor für den Autokauf ist als für Käufer von Elektroautos.

Telekom-Aktien vor dem Aufwind?

Fondsmanager sehen die europäische Telekommunikationsbranche an einem Wendepunkt. Der Grund: Die Zeit der Investitionen ins Netz nähert sich dem Ende und die Unternehmen sammeln jetzt die Erträge ein. Nach Einschätzung von James McMahon, Analyst beim Vermögensverwalter Amundi, schafft das absehbare Ende des 5G- und Glasfaser-Ausbaus „Spielräume für höhere Dividenden, Rückkäufe und den Schuldenabbau“.

Wer von diesem Trend profitieren will, kann das zum Beispiel mit einem bösengehandelten Indexfonds von Amundi tun, der in europäische Telekommunikationsaktien investiert. Auf Sicht von einem Jahr liegt der Fonds 23 Prozent im Plus.

Allerdings warnt Deka-Fondsmanager Andreas Wagenhäuser vor überhöhten Erwartungen: „Wir müssen realistisch bleiben: Signifikantes Umsatzwachstum sehen wir in der Branche nur in Einzelfällen.“

Stattdessen könnten Telekommunikationsaktien allmählich ihre Position als defensive Wertgaranten im Depot zurückgewinnen.

Perus Präsident gestürzt

Nach nur vier Monaten im Amt hat das peruanische Parlament den Präsidenten des Landes, José Jerí, abgesetzt. In knapp zehn Jahren hatte Peru damit bereits sieben Präsidenten. Jerís Nachfolger soll am Mittwoch vom Parlament gewählt werden.

Jerí hatte erst im Oktober die Regierungsgeschäfte nach der Absetzung der damaligen Präsidentin übernommen. Er geriet wegen inoffizieller Treffen mit chinesischen Geschäftsleuten und mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Einstellung von Frauen in Regierungspositionen unter Druck.

Hunderte Tote im Mittelmeer befürchtet

Heute mal kein heiterer Ausstieg, sondern die Erinnerung an ein Leid vor unserer Haustür, das nicht verschwindet, nur weil wir die Tür zugemacht haben. An Italiens Küsten sind mindestens 15 Leichen angeschwemmt worden – vermutlich Migrantinnen und Migranten, die beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ums Leben kamen. In der Nähe von Tropea, einem Badeort am Festland, wurde eine Leiche von Schülern entdeckt. Der unbekannte Mann trug eine orangefarbene Rettungsweste. Auch eine Frau, die keine Papiere bei sich hatte, wurde tot geborgen.

Vermutet wird, dass die Menschen in den vergangenen Wochen auf hoher See Winterstürmen zum Opfer fielen. Hilfsorganisationen befürchten, dass beim Versuch, übers Meer nach Europa zu gelangen, in diesem Winter mehrere hundert Menschen ertrunken sind.

Ich wünsche Ihnen einen Aschermittwoch, an dem noch lange nicht alles vorbei ist.

The Mugs of Morning Briefing – Folge zwei

Der Tee beim Schreiben des Morning Briefings kommt heute aus dieser Tasse. Es soll hochbegabte Spaßvögel geben, die das Kürzel „LSE“ mit „Leisure, Sports and Entertainment“ übersetzen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich während meines Masterstudiums an der London School of Economics (LSE) intellektuell nie unterfordert gefühlt habe.

Von der Uni München war ich es zuvor so gewohnt: Wenn ein volkswirtschaftliches Modell nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, hat im Zweifel die Wirklichkeit etwas falsch gemacht. An der LSE galt hingegen: Empirie schlägt Theorie. Von dem dort Gelernten profitiere ich bis heute. Ein Wochenend-Blockseminar mit Ralf Dahrendorf in Windsor ist mir besonders in Erinnerung geblieben.

Eine kurzweilige Zeit hatte ich in London übrigens dennoch. Im Zweifel habe ich zugunsten von Entertainment auf den Sport verzichtet.


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