Warum der Feminismus mehr als Gleichberechtigung erreichen muss
Warum der Feminismus mehr als Gleichberechtigung erreichen muss
Stand: 08.03.2026, 15:00 Uhr
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Der Feminismus kämpft gegen wachsenden Autoritarismus und Rückschritte weltweit. Sein Ziel geht über die Gleichstellung der Frauen hinaus.
Wann hat der Feminismus sein Ziel erreicht? Wenn Frauen weltweit wählen dürfen? Wenn sie überall lohnarbeiten dürfen? Oder braucht es mehr? Ist das Ziel erreicht, wenn jedes politische Amt der Welt von einer Frau bekleidet wurde? Wenn alle Gremien der Welt paritätisch besetzt sind? Wäre das die Ziellinie des Feminismus?
Was ist überhaupt das Ziel? Für viele Menschen ist es die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Aber stimmt das? Wären Frauen frei, wenn sie in den bestehenden Strukturen den Männern gleichgestellt wären?
Es mag etwas realitätsfremd wirken, in Zeiten von wachsendem Autoritarismus, von wachsendem Rechtsextremismus, davon zu träumen, die Strukturen der Herrschaft grundlegend zu verändern, wenn es sich derzeit so viel dringender anfühlt, die bestehenden Strukturen zu verteidigen.
Schließlich erleben wir inmitten all der Errungenschaften des Feminismus in vielen Ländern schon seit Jahren wieder heftige Rückschläge. Die Hilfsorganisation Amnesty International hat anlässlich des Frauentags einige Beispiele zusammengefasst: Lettlands Austritt aus der Istanbul-Konvention, die anhaltende Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland und anderen Ländern, Ungarns und Polens Repression gegen queere Menschen, gezielte geschlechtsspezifische Gewalt gegen politische Aktivist:innen einschließlich systematischer Belästigungs- und Diffamierungskampagnen in diversen Ländern, in Georgien auch von staatlicher Seite.
Russland will sämtliche LBGTQIA+-Organisationen verbieten, während in den USA der staatliche Kulturkampf gegen Frauen, trans und queere Menschen, ganz zu schweigen von Migrant:innen, immer weiter verschärft wird. Und selbst das ist nur ein kleiner Teil der Rückschritte, angesichts globaler Femizide und viralem Frauenhass, angesichts massiver Gewalt gegen ohnehin schon diskriminierte Menschen im Iran, in Afghanistan, in Kriegen und Konflikten weltweit.
Die Überforderung, die Überwältigung dieser Krisen ist ein praktischer Mechanismus der Unterdrückung – unsere Rechte müssten eigentlich an so vielen Fronten verteidigt werden, dass wir uns mindestens vierteilen müssten, um dem auch nur ansatzweise standzuhalten. Doch der breit gefächerte Backlash zeigt auch in aller Deutlichkeit, dass sich der Kampf für Freiheit nicht in fein säuberlich sortierte identitätspolitische Boxen trennen lässt. Wir können nicht erst einmal die Freiheit der Frauen sichern und uns dann um „alles andere“ kümmern. Genauso wie die Angriffe breit gefächert sind, muss auch die Gegenwehr, der feministische Gegenentwurf breit gedacht werden.
Die Ziellinie des Feminismus kann also nicht die gleichberechtigte Version des Status quo sein. Das Ziel muss viel simpler und umso radikaler sein: ein freies Leben für alle Menschen. Frei von Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt – ob durch Staaten, Konzerne oder Mitmenschen.
Immerhin: Dass der aktuelle Autoritarismus vielerorts den Antifeminismus wieder auflodern lässt, zeigt uns einmal mehr, dass autoritäre Herrscher den Feminismus als eine Gefahr für ihre Machtansprüche begreifen. Genau so ist er auch gemeint. Denn Feminismus ist im Grunde nichts Geringeres als der Versuch, die Welt zu retten.
