FR-üh dran zum Ostersegen: Wenn der Vatikan Trumps USA die Leviten liest
FR-üh dran zum Ostersegen: Wenn der Vatikan Trumps USA die Leviten liest
Stand: 05.04.2026, 06:01 Uhr
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Sein erstes Ostern als Papst, eine Welt im Krieg: Leo XIV. erteilt den Segen Urbi et Orbi. Unsere „FR-üh dran“-Kolumne zur Ansprache im Vatikan.
FRüh Radar – das steht heute an: Heute ist Ostersonntag – und im Vatikan steht ein historischer Moment an. Leo XIV., bürgerlicher Name Robert Francis Prevost, 70 Jahre alt und seit Mai vergangenen Jahres Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken, erteilt zum ersten Mal als Papst den Ostersegen Urbi et Orbi – der Stadt und dem Erdkreis. Vom Petersplatz in Rom aus wendet er sich an Gläubige rund um den Globus. Es ist sein erstes Osterfest als Pontifex – und es findet in einer Welt statt, die so unfriedlich ist wie seit Langem nicht mehr: Krieg im Nahen Osten, Krieg in der Ukraine, Konflikte auf mehreren Kontinenten.
Was wird Leo XIV. sagen? Wie deutlich wird er werden? Und was verrät sein erstes Ostern über den Mann, der auf Franziskus folgte? Wir erklären die Hintergründe, ordnen ein und liefern Ihnen alles, was Sie heute wissen müssen.
Wir fassen zusammen, wie es dazu kam: Noch vor einem Jahr war Ostern ein Abschied. Franziskus, sichtlich geschwächt und kaum zu verstehen, sprach am Ostersonntag 2025 noch einige wenige Sätze, ließ sich dann ein letztes Mal im Papamobil über den Petersplatz fahren – und starb am nächsten Morgen im Alter von 88 Jahren. Selbst Menschen, die mit dem katholischen Glauben wenig anfangen können, litten in diesen Tagen mit, wie dpa berichtete.
Knapp einen Monat später wählten die Kardinäle seinen Nachfolger: Kardinal Robert Francis Prevost, einen US-Amerikaner – der erste Papst aus den Vereinigten Staaten überhaupt. Er nahm den Namen Leo XIV. an. Seitdem hat er den Segen Urbi et Orbi bereits zweimal gesprochen: direkt nach seiner Wahl im Mai und an Weihnachten. Heute ist es das dritte Mal – und das erste Mal zu Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit.
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In seinen ersten elf Monaten hat Leo XIV. deutlich gemacht, dass er einiges anders machen will als sein Vorgänger. Er legt wieder mehr Wert auf Tradition und Würde, wie dpa berichtet. So hat er etwa die Fußwaschung am Gründonnerstag zurück in die Lateranbasilika verlegt – eine Rückkehr zur alten römischen Tradition, von der Franziskus abgewichen war. Und am Karfreitag trug Leo XIV. das Kreuz bei der Prozession am Kolosseum selbst – etwas, das Franziskus selbst in seinen gesunden Jahren nicht getan hatte. Leo, ein leidenschaftlicher Tennisspieler, ist fit genug dafür.
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Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Leo XIV. hat sich in seinen ersten Monaten als Papst der Zwischentöne erwiesen, wie der Tagesanzeiger schreibt: kontrolliert, überlegt, aber mit klarer Haltung. Er mahnt immer wieder zum Frieden, betont das Leid der Opfer. Und er scheut sich nicht, sich zur US-Politik zu äußern – auch wenn er dabei selten Namen nennt.
Am Palmsonntag, dem Auftakt zur Karwoche, sorgte seine Predigt in den USA für Aufsehen. Jesus, sagte Leo XIV. darin, sei ein „König des Friedens“: „Ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen, der das Gebet derer, die Krieg führen, nicht erhört.“ Das war eine direkte Antwort auf US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der kurz zuvor im Pentagon ein Gebet gesprochen hatte, in dem er um „überwältigende Gewalt“ gegen die Feinde Amerikas bat. Die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Karoline Leavitt, sah sich genötigt zu reagieren – und verteidigte das Gebet als „sehr edle Sache“, wie der Tagesanzeiger berichtet.
Am Dienstagabend äußerte sich Leo XIV. vor seiner Residenz in Castel Gandolfo zum Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Auf die Frage, ob er einen direkten Appell an Trump richten wolle, sagte er laut dpa: „Mir wurde gesagt, dass Präsident Trump kürzlich erklärt hat, er würde den Krieg gern beenden.“ Und er appellierte an die politischen Führerinnen und Führer: „Kehren Sie zum Dialog an den Verhandlungstisch zurück.“
Nun spekulieren Vatikan-Beobachterinnen und -Beobachter, ob Leo XIV. seinen ersten Ostersegen nutzen wird, um noch deutlicher als bisher auf Frieden zu drängen – im Nahen Osten, in der Ukraine und in den vielen anderen Kriegsgebieten dieser Welt.
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:
„Der Papst soll sich aus der Politik heraushalten – Religion hat in der Weltpolitik nichts zu suchen.“ Das klingt nach der sinnvollen Trennung von Kirche und Staat – ist aber selektiv angewendet. Wer das sagt, hat meist kein Problem damit, wenn religiöse Akteure politische Positionen unterstützen, die ihnen genehm sind. Pete Hegseth betet im Pentagon um „überwältigende Gewalt“ und spricht vom Heiligen Krieg – das ist Religion in der Politik. Nur wenn ein Papst Frieden fordert, soll die Kirche schweigen? Leo XIV. verlangt keinen Regierungswechsel, er fordert das Ende von Bombardierungen und den Schutz von Menschenleben. Das ist keine Politik – das ist Moral.
„Leo XIV. greift Trump an, weil er selbst Amerikaner ist und sich profilieren will.“Der Papst ist tatsächlich US-Amerikaner – und genau deshalb ist seine Kritik so wirkungsvoll und so glaubwürdig. Er kennt die politische Kultur seines Heimatlandes von innen. Und er kritisiert nicht die USA, er kritisiert Krieg. Seinen Appell, zum Dialog zurückzukehren, richtet er an alle politischen Führerinnen und Führer – nicht nur an Washington. Wer darin einen Angriff auf die USA sieht, verrät mehr über die eigene Empfindlichkeit als über die Botschaft des Papstes.
„Die Kirche hat selbst eine blutige Geschichte – was maßt sie sich an, über Krieg zu urteilen?“Diese Kritik ist historisch berechtigt – und Leo XIV. wäre der Letzte, der das bestreiten würde. Aber sie ist kein Argument gegen Friedensappelle heute. Wer historische Schuld als Dauermaulkorb benutzt, verhindert genau die Art von moralischer Reflexion, die er einfordert. Dass Leo XIV. fragt, ob jene Christen, „die in bewaffneten Konflikten schwere Verantwortung tragen, die Demut und den Mut haben, eine ernsthafte Gewissensprüfung vorzunehmen“, ist kein Anmaßen – es ist eine Einladung zur Selbstkritik.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserer Kolumne informieren wir Sie täglich über den wichtigsten Termin des Tages und bereiten Sie als FR-Leser:in auf die politische Debatte in der Kaffeeküche und am Mittagstisch vor, indem wir die passenden Argumente direkt mitliefern. Lesen Sie hier genau, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.
Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Der Ostersegen Urbi et Orbi findet traditionell am Mittag des Ostersonntags vom Balkon des Petersdoms statt. Was Leo XIV. dort sagen wird, wird unmittelbar nach der Rede weltweit analysiert werden – in Vatikankreisen, in Washington, in Kiew und in Teheran. Seine Worte werden den Maßstab für sein weiteres Pontifikat setzen.
Darüber hinaus bleibt die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen dem Vatikan und der US-Regierung unter Trump weiterentwickelt. Leo XIV. hat bereits mehrfach die Abschiebepolitik der Trump-Regierung kritisiert: Man könne nicht einerseits sagen, man sei „pro life“, und gleichzeitig die „unmenschliche Behandlung der Immigranten“ gutheißen. Dieses Spannungsfeld wird auch nach Ostern nicht verschwinden.
Laut Tagesschau pilgerten allein zum Osterwochenende 2025 rund eine Million Menschen nach Rom – und das war das Osterfest eines sterbenskranken Papstes. Heute, beim neuen fitten, tennisaffinen Papst aus den USA, dürfte der Andrang kaum kleiner sein. Zum Vergleich: Das Frankfurter Stadtgebiet zählt knapp 780.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Eine Million Menschen reisen also in eine Stadt, um einem Mann auf einem Balkon zuzuhören – und der sagt dann Dinge, die das Weiße Haus zur Stellungnahme zwingen. Wer sagt, Religion spiele in der Weltpolitik keine Rolle mehr, sollte sich das heute Mittag noch einmal überlegen. (Quellen: dpa, Tagesanzeiger, Tagesschau) (nak)
