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Wie die Zerstörung der Natur uns lebensrettende Wirkstoffe kostet

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06.03.2026

Wie die Zerstörung der Natur uns lebensrettende Wirkstoffe kostet

Stand: 06.03.2026, 12:17 Uhr

Von: Lydia Möcklinghoff

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Die Biodiversität liefert unverzichtbare medizinische Wirkstoffe. Doch viele heilende Arten sterben aus, bevor wir sie erforschen können. Die Kolumne.

Am 3. März wurde der Welttag des Artenschutzes (World Wildlife Day) gefeiert. Dieser Tag wird jährlich von den Vereinten Nationen ausgerufen und soll uns daran erinnern, wie sehr unser Alltag an der Leine der Biodiversität hängt: Nahrung, sauberes Wasser, Rohstoffe – was wir zum Leben brauchen, entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in der Natur. Das diesjährige Motto macht auf eine weitere ihrer unverzichtbaren Leistungen aufmerksam: medizinische Wirkstoffe, die nicht im Labor, sondern in Pflanzen gebildet werden.

Die Liste von Pflanzen und Tieren, die in ihren Körpern Substanzen bilden, die Krankheiten heilen können, ist endlos. Oft hat die Natur in Milliarden von Jahren Lösungen für gesundheitliche Probleme gefunden, von denen wir nach wenigen hundert Jahren der Forschung nur träumen können. Die Weide versorgt uns beispielsweise mit dem Wirkstoff für Aspirin. Axolotls, also mexikanische Schwanzlurche, regenerieren Gliedmaßen und produzieren Peptide, die möglicherweise gegen Krebs und Superbakterien wirksam sind.

Die Herausforderung besteht darin, diese Lösungen der Natur zu entdecken. Vielleicht steckt die Heilung für Demenz in einer kleinen Flechte, die versteckt tief im tropischen Regenwald lebt. Vielleicht würden wir sie eines Tages entdecken und die Krankheit endlich heilen können. Vielleicht wird der Wald, in dem sie lebt, aber auch für Rohstoffe oder Weideflächen abgeholzt, bevor wir diesen kostbaren Substanzen je begegnet sind. Ohne, dass wir es je wissen werden, verschwindet mit der Flechte und ihrem Lebensraum eine große Chance für unzählige Menschen. Das ist nur einer von zahlreichen Gründen, warum wir die Ökosysteme auf unserem Planeten erhalten sollten, anstatt sie gedankenlos zu zerstören.

Doch auch Pflanzen und Tiere, deren medizinische Superkräfte bereits entdeckt wurden, werden oft nicht ausreichend geschützt. Beim Axolotl etwa werden die wenigen Seen, in denen der Lurch in Mexiko natürlicherweise vorkommt, zunehmend verschmutzt. In freier Wildbahn gilt er deshalb fast als ausgestorben. Glücklicherweise, zumindest für die medizinische Forschung, können die Tiere in Gefangenschaft gut nachgezüchtet werden.

Das ist jedoch nicht bei allen Lebewesen mit medizinischer Relevanz der Fall: Die Wurzel der Teufelskralle aus Namibia lindert beispielsweise Arthrose-Schmerzen besser als manch ein synthetischer Wirkstoff. Seit dies der pharmazeutischen Forschung bekannt wurde, ist die Pflanze aus der Jahrhunderte alten traditionellen Nutzung, in die industrielle Ausbeutung geschlittert. Weil sie nur schwer kultiviert werden kann, ist sie mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Das ist ein typisches Missverständnis unserer modernen Gesellschaft: Wir behandeln die Natur wie ein Regal, aus dem man sich nach Herzenslust bedienen kann. Wenn es leer ist, gehen wir einfach zum nächsten weiter. Dabei sind die Lebensräume auf unserem Planeten ein lebendiges System. Ein riesiger Körper, der nur überlebt, wenn all seine Organe und Körperteile vorhanden sind. Dieser Körper, dieses System der Natur, ist unser bester Mitarbeiter und wir sollten uns redlich um seine Gesundheit sorgen, damit er sich weiterhin so hingebungsvoll um unsere kümmern kann.


© Frankfurter Rundschau