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Minister schließt linke Buchläden wegen Verfassungsschutz aus

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Minister schließt linke Buchläden wegen Verfassungsschutz aus

Stand: 11.03.2026, 17:17 Uhr

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Minister Weimer konsultiert den Verfassungsschutz bei der Preisvergabe. Eine satirische Reportage zeigt die Absurdität der Situation.

Wie geht es eigentlich unseren Buchhandlungen? Derzeit sind sie ja ins Gerede gekommen. Der für sie zuständige Minister lässt sich sogar vom Verfassungsschutz beraten, wenn er mit ihnen zu tun hat. Während über Social Media tonnenweise neuronal optimierte Extrempropaganda über uns ausgekübelt wird, gelten ausgerechnet die tantigen süßen Buchläden als brisante Orte, als Brutstätten der Anarchie. Sollten am Ende die 70er nie zu Ende gegangen sein? Müssen heute noch Sympathisantensümpfe ausgetrocknet, Abgründe des Landesverrates zubetoniert werden?

Vor wenigen Tagen beschloss ich, mir selbst ein Bild zu machen. Als langjähriger Nichtleser sehe ich Buchhandlungen schließlich nur noch selten von innen; kein Blick könnte objektiver sein als der meine. Ich wollte wissen, wie sehr hier die Jugend mit gefährlichen Ideen indoktriniert wird, ob ihnen hier Maobibeln und Haschspritzen zusammen mit dem neuesten Schmarrn von Juli Zeh angedreht werden. Ich suchte eine kleine Bahnhofsbuchhandlung im Fränkischen auf.

Zunächst: Die Erweiterung des Literaturbegriffs, die revolutionär gesinnte Philosophen wie Roland Barthes oder Michel Foucault einst forderten, wird hier kompromisslos gelebt. Im vorderen Bereich dominieren Reiseaccessoires wie Powerbanks und Schlafmasken, daneben grüßt ein Drehständer von „Happy Socks”, einem Anbieter bewusstseinserweiternder Motivsocken.

Sie alle fallen unter den erweiterten Literaturbegriff der linken Wirrköpfe, sie alle können als Bücher verstanden, „gelesen” werden. Aus dem Accessoirebereich lässt sich ein Grundvorrat für Guerillaaktionen zusammenstellen. Via Motivsocken können versteckte Botschaften diskret übermittelt werden („Trage Waschbären, wenn du findest, der Kulturminister müsse gestürzt werden”), und eine Schlafmaske ist vor allem für „Schläfer”-Agenten interessant.

Weiter hinten dominiert ausländisches Schrifttum: sogenannte Mangas, für den Westler verwirrende Bildfolgen, die noch dazu von rechts nach links (!) gelesen werden. Auch hier werden klassische Bildungskonventionen auf den Kopf gestellt, wird der bürgerliche Kanon bewusst mit Füßen getreten.

Oft geht es um junge Menschen, die sich klassen- oder geschlechtsübergreifend verlieben und darüber ihre Umwelt ins Unglück stürzen. Das Private ist politisch, sagten auch die 68er – hier soll die Jugend für experimentelle Lebensformen gewonnen werden, die die Substanz des Staates angreifen!

Dahinter ist ein Bereich „Krimi”, wo es vor allem um Heimat geht: Fast jede deutsche Region kann mit einem eigenen Regionalkrimi aufwarten. Harmloser Zeitvertreib – oder Anleitung zu politisch motivierter Kriminalität im Lokalen? Werden hier Ziele markiert, werden hier Vertuschungsmethoden beschrieben?

An der Kasse der Gipfel der Radikalisierung: ein Exemplar des „Cicero”. Die Titelseite warnt vor einer Unterwanderung der SPD durch subversive Migrant:innen. Das grenzt an Rufmord: Die nahezu tote SPD noch in den Ruch politischer Relevanz zu bringen! Nun bin ich überzeugt: Läden, die derart verhetzendes Schrifttum anbieten, sollten von Staats wegen geschlossen werden!


© Frankfurter Rundschau