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Die Illusion vom glücklichen Bioschwein

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10.07.2026

Kolumne „zurück zur natur“ : Die Illusion vom glücklichen Bioschwein

Warum lässt die Gesellschaft diese skandalöse Schweinehaltung zu? Doch nicht allen ist das Schwein gleichgültig: Wie zwei Tierschutzaktivisten zwei Ferkel retteten.

Was ein betrunkener Dialyse-Patient in Staffel 2 der berühmten, in der Notaufnahme eines Chicagoer Krankenhauses spielenden Serie „Emergency Room“ formuliert, ist ein klassischer zynischer Vergleich von Menschen und Schweinen: „The more I see of people, the more I like pigs.“ Je mehr ich von den Menschen weiß, desto lieber mag ich Schweine. Menschen lösen Schweine ab auf der untersten Sympathiestufe. In anderen Negativ-Rankings teilen sie sich den untersten Platz noch, wie „Männer sind Schweine“ von den Ärzten.

Im Unterschied zu Menschen, deren gelegentliches lügnerisches und betrügerisches, hinterhältiges, armseliges oder verbrecherisches Verhalten zu Skepsis oder Verachtung Anlass geben kann, haben Schweine gar nichts verbrochen. Es sind empathiefähige Tiere, die in Versuchen anderen, hilfebedürftigen Ferkeln beispringen und die im berühmten Spiegelversuch erkennen, dass sie sich selbst sehen und kein anderes Schwein. Sie lieben es, sich in Pfützen zu suhlen, und spielen im Schlamm. Sie sind auch nicht ohne Grund gerne dreckig. Die Dreckschichten an ihnen bieten ihrer hellen, lichtempfindlichen Haut Sonnenschutz. Auf Nahrungssuche rüsseln sie über den Boden, sie quieken und grunzen: Laute, die zu interpretieren gar nicht so schwer ist.

Zwar haben sie als ausgewachsene Tiere keine Taille, keinen Hals, keine eleganten Bewegungen und keine schöne Stimme – sie sind nicht das, was Biologen eine „sexy species“ nennen im Hinblick auf ihre Wahrnehmung durch unwissenschaftliche Beobachter. Dass sie aber so verspielt und witzig sind wie Hunde und diese........

© Frankfurter Allgemeine