Was Ingeborg Bachmann uns heute noch zu sagen hat
Legendäre Autorin : Was Ingeborg Bachmann uns heute noch zu sagen hat
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar: Vor hundert Jahren wurde Ingeborg Bachmann geboren. Auch nach ihrem Tod vor gut fünfzig Jahren animiert sie Generationen von Lesern.
„Malina“ heißt Ingeborg Bachmanns Klassiker, der den Verstand herausfordert wie kaum ein anderes Werk der österreichischen Autorin. Nichts darin besänftigt. 1971 von der Kritik zunächst zwiespältig aufgenommen, avancierte der Roman bald zum Bestseller. Er erzählt vom inneren Zerfall einer Schriftstellerin in Wien, die zwischen pathologischer Liebe, der Gewalt einer von Nationalsozialismus und Schweigen geprägten Gesellschaft und der Unmöglichkeit weiblicher Autonomie buchstäblich in der Wand verschwindet.
Bachmann, die vor hundert Jahren in Klagenfurt zur Welt kam, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Was aber ist das Faszinosum dieser Autorin, die bis heute Generationen von Lesern animiert, ihr literarisches Geheimnis zu ergründen? Ihre politische Sensibilität wurde geschärft durch die Zeitzeugenschaft des Nationalsozialismus und der Schoa. In einer Gegenwart, die aufs Neue lernt, was Schweigen kostet und was Sprache vermag, klingt Bachmann bestürzend aktuell. Ihre literarischen Figuren stehen fast immer im Konflikt mit der Gesellschaft, durch Liebesbeziehungen, die die Ordnung herausfordern, durch die quälende Suche nach Wahrheit oder die Weigerung, sich einzurichten in dem, was ist.
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