Eine falsche Entscheidung mit Vorteilen
Bundesbank in frankfurt : Eine falsche Entscheidung mit Vorteilen
Die Entscheidung der Bundesbank, ihr angestammtes Gelände aufzugeben, ist falsch. Für die Stadt ergeben sich daraus dennoch Vorteile.
Über die erratische Immobilienpolitik der Bundesbank kann man nur den Kopf schütteln. Da wird ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben für die Sanierung der Frankfurter Zentrale und die Planung neuer Hochhäuser auf dem Gelände – um alles nach und nach in die Tonne zu treten. Das Signal ist fatal: Eine öffentliche Institution schaut erst lange nicht auf die Kosten und hält es dann für wirtschaftlich unzumutbar, ein Baudenkmal zu sanieren und zu erhalten. Wo bleibt da die Vorbildfunktion?
Mit dieser Entscheidung macht sich die Bundesbank, die durch die EZB ohnehin schon an Bedeutung verloren hat, unnötig klein. Sie gibt ein schon von Weitem sichtbares, prägendes Gebäude auf, um vermutlich in einem der vielen Hochhäuser des Frankfurter Bankenviertels zu verschwinden.
Für die Stadt Frankfurt stellt sich die Frage, was mit dem rund zehn Hektar großen Gelände an der Wilhelm-Epstein-Straße passieren soll – und ob die frühere Bundesbankzentrale zu einer Bauruine wird. Ein klassischer Bürostandort ist das Areal am früheren Diebsgrundweg nicht, ein Verkauf des Gebäudes an einen privaten Investor dürfte schwierig sein. Auch ein Wohngebiet, das gut zum Umfeld passt, ist schwer zu entwickeln, solange die Zukunft des Hochhauses nicht geklärt ist.
Eine glückliche Fügung für die Stadt
Deshalb ist es eine glückliche Fügung, dass die Stadt seit Jahrzehnten erfolglos einen geeigneten Standort für die Europäische Schule sucht. Mit dem Vorstoß von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), dafür das Bundesbank-Areal zu nutzen, können zwei Probleme auf einmal gelöst werden. Erstens wird verhindert, dass im Schatten des Fernmeldeturms eine Brache entsteht, zweitens kann die Schule dort im Gegensatz zu anderen Standorten vergleichsweise schnell errichtet werden.
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Allerdings sind noch Fragen offen. Das Bestandsgebäude mit 13 Stockwerken wäre groß genug für 2000 Schüler, doch eine Bildungseinrichtung in einem Hochhaus mit allen damit verbundenen Problemen wie Aufzugskapazitäten und Brandschutz wäre zumindest in Frankfurt ein Novum. Fraglich ist auch, ob der Plan wirtschaftlich ist – die Bundesbank wird keinen Rabatt gewähren. Theoretisch wäre auch ein Neubau auf dem weitläufigen Gelände denkbar. Doch dann bliebe die Stadt auf einem riesigen Denkmal sitzen, für das sie keine Verwendung hat.
Eine Hürde ist die Verkehrserschließung. An die Autobahn ist das Areal gut angebunden, nicht aber an den öffentlichen Nahverkehr. Neue Strecken für Straßenbahn und U-Bahn in unmittelbarer Nähe werden erst in den Dreißigerjahren kommen. Vielleicht sind die neuen Entwicklungen aber ein Anlass, diese Projekte zu beschleunigen. Dann würde sich aus der falschen Entscheidung der Bundesbank ein weiterer Vorteil ergeben.
Günter MurrRedakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
