menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Ein Schreihals vergreift sich im Ton

22 0
08.03.2026

Stadionsprecher in Köln : Ein Schreihals vergreift sich im Ton

Beim Spiel des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund überschreitet Stadionsprecher Michael Trippel eine Grenze. Nicht zum ersten Mal. Die Frage ist, wie viel Stammtischgefasel sich der Klub noch leisten will.

Das Mitteilungsbedürfnis ist gigantisch im Fußball, gerade unter Leuten, deren Job das Sprechen ist. Insofern ist es überraschend, dass die bisweilen zu Schreihälsen mutierenden Stadionsprecher sich meist an Etiketten halten. Michael Trippel, der das Publikum beim 1. FC Köln Spiel für Spiel ohne erkennbare Ironie in der „schönsten Stadt Deutschlands“ begrüßt, hat nun aber eine Grenze überschritten mit seiner berufsbedingten Wichtigtuerei.

„Pfui, widerlich“, fauchte er ins Mi­krofon, als der Kölner Jahmai Simpson-Pusey am Samstag aufgrund ei­nes völlig angemessenen Eingriffs des Videoassistenten vom Platz flog. Nach dem Abpfiff hetzte Trippel weiter und wies auf ein „klares Handspiel“ im Dortmunder Strafraum hin. Im Spiel gegen Hoffenheim versuchte der 71-Jährige die Stimmung anzuheizen, während die Kölner Ultras wegen eines Todesfalls schwiegen.

Frust bei BundesligaklubUnter „Himmel un Ääd“ liegt nur der Kölner Keller

„Pfui, widerlich“Kölner Kritik am eigenen Stadionsprecher nach Äußerungen bei BVB-Spiel

FAZ+Der UnersetzbareIst Schlotterbeck längst zu gut für den BVB?

Im Januar aber hatte er bereits bei einem Spiel der U 19 gegen Inter Mailand den Eindruck erweckt, ein jugendlicher Flitzer trage die Schuld für die Niederlage. Erlaubt sind solche befangenen Anmerkungen, ob nun bei der U 19 oder der Bundesliga-Mannschaft, nicht. Womöglich folgt eine Strafe. Wobei eine Debatte über die Frage, wie viel Stammtischgefasel sich der weltoffene FC am Stadionmikrofon leisten will, ohnehin überfällig ist.


© Frankfurter Allgemeine