Neuer Direktor, alte Probleme
Joachim Kaufmann vom Carlsen Verlag löst ab Oktober, gleich nach der nächsten Frankfurter Buchmesse, den langjährigen Leiter Juergen Boos ab. Hat er das Zeug dazu, längst Überfälliges anzugehen?
Die Frankfurter Buchmesse bekommt einen neuen Direktor. Das wäre in jedem Fall eine wichtige Nachricht, selbst wenn die größte Branchenveranstaltung der Welt derzeit nicht in einer Identitätskrise steckte. Der noch bis Oktober amtierende Juergen Boos hat das Unternehmen – und um ein solches handelt es sich, was allzu oft vergessen wird – 21 Jahre lang geführt. Nur Peter Weidhaas hatte diesen Posten noch länger inne: von 1975 bis 2000. Boos’ beide Vorgänger dagegen brachten es gerade einmal auf zwei und drei Jahre.
Beendet wird nun also eine ungewöhnliche Kontinuität, ungewöhnlich deshalb, weil in diese Zeit weltweite Veränderungen des Buchgeschäfts fallen – Amazons ständig wachsende Marktanteile, Konzentrationsprozesse des stationären Buchhandels, Lesekompetenzschwund. Die Kontinuität allerdings trägt Mitschuld daran, dass die Buchmesse in einer Krise steckt. Für Corona und den resultierenden Bedeutungsverlust einer Präsenzveranstaltung konnte Boos nichts; wohl aber für die entscheidend von ihm selbst betriebene Positionierung der Frankfurter Buchmesse als Debattenforum für Politik im Allgemeinen sowie Menschenrechte im Besonderen und die parallel dazu versäumte Reaktion auf den........
