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Ein unbequemer „Balkan-Messias“ für die EU

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20.04.2026

Rumen Radew gewinnt Wahl in Bulgarien: Ein unbequemer „Balkan-Messias“ für die EU

Ein unbequemer „Balkan-Messias“ für die EU

Bulgarien hat einen Politiker gewählt, der für Europa schnell zum Störfaktor werden könnte. Rumen Radew ist kein zweiter Viktor Orbán, doch seine Skepsis gegenüber Brüssel und seine Nähe zu Kreml-Narrativen machen ihn zu einem möglichen Bremser in unruhigen Zeiten.

Brüssel. Bulgarien hat seinen „Balkan-Messias“ zum nächsten Regierungschef gewählt. Getrieben von Wut über allgegenwärtige Korruption und schamlos zur Schau gestellten Reichtum der Oligarchen in einem der ärmsten EU-Länder haben sich die Bulgaren mehrheitlich für Rumen Radew entschieden. Der frühere Luftwaffenchef zählt seit Jahren zu den beliebtesten Politikern des Landes. Die eigentliche Frage lautet jetzt: Kann er liefern oder wird er entzaubert?

Radew steht für alles und nichts. Er hat viel versprochen, etwa den Kampf gegen Korruption und Oligarchen, blieb aber immer sehr vage. Nie gab er auf konkrete Fragen im Wahlkampf konkrete Antworten.

In Zeiten, in denen Europa Entschlossenheit und Tempo braucht, drohen aus Sofia Skepsis und Bremsmanöver.

In Zeiten, in denen Europa Entschlossenheit und Tempo braucht, drohen aus Sofia Skepsis und Bremsmanöver.

Für Europa könnte Radew ziemlich unbequem werden. Der russlandfreundliche Politiker hat immer wieder Kreml-Narrative bedient und keinen Zweifel daran gelassen, dass es mit ihm keine Militärhilfe für die Ukraine geben wird. Er ist kein zweiter Viktor Orbán, aber eben auch kein glühender Europäer. Er wird die EU nicht mit Dauer-Vetos blockieren, jedoch vieles infrage stellen und verzögern. In Zeiten, in denen Europa Entschlossenheit und Tempo braucht, drohen aus Sofia Skepsis und Bremsmanöver.

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Wie sehr der 62-Jährige mit Hang zum Populismus bremsen wird, müssen die nächsten Monate zeigen. Im Wahlkampf lieferte er bereits eine Kostprobe: Mit euroskeptischen Tönen wollte er politisches Kapital aus den Sorgen der Menschen schlagen und gab dem Euro kurzerhand die Schuld an hohen Energiepreisen und Inflation. Man kann nur hoffen, dass dieses populistische Manöver dem Wahlkampf geschuldet war – sicher ist das nicht.

Dabei ist Bulgarien auf einem ziemlich guten Weg: Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist gering und ausgewanderte Bulgaren kehren gerade in ihr Heimatland zurück. Nun liegt es an Radew, die Chance auf echten Wandel zu nutzen.


© Dresdner Neueste Nachrichten