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Sommerhitze und Recht

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27.06.2026

Der Sommer ist die einzige Jahreszeit, in der Erwachsene freiwillig darüber sprechen, wie heiß es ist. Im Winter beklagt man sich zwar ebenfalls über das Wetter, aber eher beiläufig. Im Sommer hingegen wird die Temperatur zum gesellschaftlichen Hauptthema. Kaum steigt das Thermometer über 30 Grad, verwandeln sich ansonsten völlig normale Menschen in wandelnde Wetterstationen.

„36 Grad auf meiner Terrasse.“

„Im Auto waren es 52.“

Das Gespräch endet regelmäßig dort, wo wissenschaftliche Messbarkeit und Anglerlatein ineinander übergehen.

Während die Bürger schwitzen, leidet auch das Recht. Denn die meisten Gesetze wurden von Menschen geschrieben, die zwar vieles bedacht haben, aber vermutlich nicht die Situation, dass ein Sachbearbeiter in einem Büro sitzt, dessen Raumtemperatur inzwischen der eines mittelgroßen Gewächshauses entspricht.

Der Traum vom Hitzefrei

Spätestens dann taucht eine der beliebtesten Fragen des sommerlichen deutschen Arbeitslebens auf: Gibt es eigentlich Hitzefrei?

Die Antwort enttäuscht bereits Generationen von Arbeitnehmern. Hitzefrei ist rechtlich ungefähr das, was Einhörner für die Zoologie sind: Man spricht häufig darüber, gesehen hat es noch kaum jemand. Zwar existieren Arbeitsschutzvorschriften. Arbeitgeber müssen bei großer Hitze Maßnahmen ergreifen. Sie sollen lüften, beschatten, Getränke bereitstellen oder technische Lösungen finden. Das klingt zunächst vielversprechend.

In der Praxis bedeutet das oft, dass irgendwo ein Ventilator aufgestellt wird, dessen Leistungsfähigkeit exakt bis zur ersten Schreibtischkante reicht. Er verteilt die warme Luft und Schweißgeruch gemischt mit Parfümgerüchen  gleichmäßig im Raum und erzeugt dabei das Geräusch eines Kleinflugzeugs im Landeanflug. Der Arbeitgeber erfüllt seine Pflicht, die Beschäftigten ihre Arbeitszeit und der Ventilator seine Lebensaufgabe.

Wenn auch Juristen nur Menschen sind

Besonders hart trifft die Hitze die Juristen selbst. Das Bild des kühlen, analytischen Rechtsgelehrten hält den Realitäten eines Julitages selten stand. Wer einmal versucht........

© Die Kolumnisten