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Schatten über der Fußball-WM: Die Lust ist weg

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24.02.2026

Schatten über der Fußball-WM: Die Lust ist weg

Schatten über der Fußball-WM: Die Lust ist weg

Nach den Unruhen in Mexiko, die mehr als 70 Menschen das Leben gekostet haben, stellt sich die Frage, ob das Land noch Gastgeber der Fußball-WM sein kann. Seine sportliche Unschuld hat das Turnier schon jetzt verloren.

Es gehört zum Spiel, dass sportliche Großereignisse irgendwann im Vorfeld infrage gestellt werden. Die Liste der Gründe, die Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele in der Vergangenheit vermeintlich in Gefahr brachten, ist vielschichtig. Vom Zika-Virus vor den Sommerspielen 2016 in Brasilien über das autoritäre russische System Putins vor den Winterspielen 2014 in Sotschi und der WM 2018 bis zur umstrittenen Lage der Menschenrechte in Katar vor der WM 2022 reichten die Debatten.

Am Ende wurden nicht alle Diskussionen eingestellt, irgendwann erhielt jedoch der Sport seine Bühne.

Nach den jüngsten Ausschreitungen sind mit Blick auf die in dreieinhalb Monaten beginnende Drei-Länder-Fußball-WM, die auch in den USA und in Kanada ausgetragen wird, echte Zweifel angesagt, ob Mexiko dem Sport diese Bühne noch geben kann. Die losgetretene Gewaltwelle, nachdem das Militär den Drogenboss „El Mencho“ getötet hatte, kostete mehr als 70 Menschen das Leben.

Kein Umfeld für Fußball-Fans aus aller Welt

Vor allem im Bundesstaat Jalisco mit der Hauptstadt Guadalajara eskalierten die Unruhen. Dort wiederum sind vier WM-Vorrundenspiele geplant. Die Delegationen aus Südkorea und Kolumbien haben hier ihr Quartier.

Ein Umfeld für Fußball-Fans aus aller Welt ist das nicht, zumal das Problem, das Mexiko mit der organisierten Kriminalität und der Macht der Kartelle hat, nicht neu ist. Rund 120.000 Menschen gelten im 130-Millionen-Einwohner-Staat als vermisst. Aktivisten berichteten zuletzt, dass sie in der Umgebung des WM-Stadions von Guadalajara 450 Säcke mit menschlichen Überresten gefunden hätten.

Das Auswärtige Amt verweist derweil auf die „dynamische Lage“ im Land, weitere Vergeltungsmaßnahmen und Gewalt seien nicht auszuschließen. Für ganz Mexiko werde empfohlen, Menschenansammlungen und Örtlichkeiten, an denen Polizeieinsätze stattfinden, zu meiden.

Ein global beobachtetes Großereignis wie die Fußball-WM funktioniert jedoch nicht ohne Menschenansammlungen und Polizeieinsätze.

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Dieses Turnier hat somit bereits im Vorfeld seine sportliche Unschuld verloren: Fifa-Präsident Gianni Infantino paktiert devot mit US-Präsident Donald Trump, der immer wieder mit Aggressivität gegen die Co-Gastgeber auffällt, und dessen Einreisebestimmungen Fans aus dem Iran und Haiti vom WM-Erlebnis in den USA ausschließen. Die Unruhen in den Vereinigten Staaten wegen des tödlichen Vorgehens der Einwanderungsbehörde ICE hallen nach. Die hohen Ticketpreise werden kritisiert. Auch der sportliche Wert der erstmals mit 48 (statt wie bisher 32) Mannschaften ausgetragenen Endrunde wird immer wieder diskutiert.

Dreieinhalb Monate vor dem Eröffnungsspiel wirkt es somit ungewisser denn je, dass am Ende doch wieder der Sport seine Bühne erhält. Die Lust darauf ist jedenfalls erst mal weg.


© Die Harke