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Im Tagesspiegel vor 80 Jahren: Die Bundesländer als antifaschistische Institution

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20.08.2026

Schon die allererste Tagesspiegel-Schlagzeile war Ländersache: Mit „Drei süddeutsche Staaten“ betitelte unsere Zeitung in ihrer ersten Ausgabe vom 27. September 1945 den Aufmacher der Seite eins.

In dem Artikel ging es darum, dass die Amerikaner in ihrer Besatzungszone die Nachkriegsländer Bayern, Württemberg-Baden und Großhessen gründen wollten.

Im Osten hatten die Sowjets am 8. Juli 1945, auf den Tag genau zwei Monate nach der Kapitulation in Karlshorst, die Länder Mecklenburg, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen eingerichtet, aus denen die DDR dann 1952 die Bezirke ausgliederte.

Markus Hesselmann hat 30 der 80 Jahre Tagesspiegel-Geschichte als Redakteur miterlebt. Er schaut gern ins Archiv und holt Artikel aus den frühen Jahren unserer Zeitung ans Licht, jetzt auch für diese Kolumne.

Im Westen war der Prozess, der letztlich zu den Bundesländern führte, deutlich komplizierter.

Die Briten hatten es nicht leicht. Um die entstehenden großen Flächenländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gab es ein Hin und Her.

Bedenken äußerte zum Beispiel Kölns „Erster Bürgermeister“ Robert Görlinger. Argumentiert wurde damit, dass es in einem neuen, demokratischen Deutschland keine Länder mit zu großem Einfluss und ausgeprägten Eigeninteressen geben dürfe wie einst die Hegemonialmacht Preußen oder auch das weiterhin starke Bayern. (Wir zitieren in der historischen Kolumne stets in damaliger Rechtschreibung.)

Kölner Bedenken gegen Nordrhein-Westfalen

Seine Befürchtungen, daß das neue Land nicht organisch in das Gesamtgebilde der britischen Zone hineinwachse, begründete Bürgermeister Görlinger mit dem Hinweis auf Bayern, das nach seiner Auffassung mit seinen partikularistischen Tendenzen zu stark in Erscheinung trete. Seiner Meinung nach wäre es richtiger gewesen, die alten dynastischen Grenzen fallenzulassen und neue Staatsgebilde nach modernen, stammesmäßigen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu formen, denn immerhin würden es die politischen Parteien........

© Der Tagesspiegel