Bayern war schlagbar, Dortmund aber zu fehlerhaft: Der Titelkampf stirbt jedes Jahr ein bisschen früher
Vorzeitig gratulieren wollte Nico Schlotterbeck am Samstagabend natürlich nicht. Der Dortmunder Fußballer gestand aber ein, dass elf Punkte Vorsprung an der Tabellenspitze schon eine Menge sind und nur schwer einzuholen. Zumal es um den FC Bayern geht, der da ganz oben steht und der nach dem 3:2-Sieg gegen Borussia Dortmund auf dem besten Wege ist, sich zum 35. Mal die Deutsche Meisterschaft zu sichern.
Es war ein packendes Spitzenspiel mit intensiven Zweikämpfen, viel Leidenschaft und schönen Toren. Doch am Ende kam es, wie es in den vergangenen Jahren eigentlich immer kam: Bayern gewann das Spiel. Mittlerweile ist es etwa zwei Jahre her, dass der BVB mal gegen den Rekordmeister gewinnen konnte.
Wie gewohnt scheiterte es an Kleinigkeiten: Maxi Beier nutzte seine Chancen nicht, im letzten Drittel war das Passspiel zu ungenau, hinten fehlte die Konsequenz in den Klärungsaktionen. Wohingegen die Bayern in fast schon stoischer Gewissheit mal wieder ein enges Spiel letztlich für sich entschieden. Weil sie weniger Fehler machten, mehr aus ihren Chancen und die eine Aktion mehr gelang.
Nach dem bitteren Aus in der Champions League ist der Auftritt Dortmunds dennoch beachtlich. Die Idee, den Bayern in Halbzeit eins den Ball zu überlassen und zu kontern und in Halbzeit zwei dann trotz Führung deutlich mehr Risiko zu gehen, ging lange auf. Bayern war im Westfalenstadion vor den eigenen, stimmungsvollen Fans schlagbar. Und doch schaffte es der BVB nicht.
Was der eigenen Hoffnung, den Abstand zum Rivalen etwas verkleinert zu haben, einen Dämpfer versetzte. Und der Hoffnung aller deutschen Fußballfans, mal einen Meisterschaftskampf zu haben, der nicht schon im Februar oder März entschieden ist.
Charlotte Bruch ist Sportredakteurin und findet, dass der FC Bayern sich deutlich steigern muss, um international erfolgreich zu sein. Der Vorsprung in der Bundesliga hilft dabei.
Für Dortmund geht es künftig darum, den zweiten Platz und damit die sichere Qualifikation für die Champions League zu behaupten. Das wird angesichts der erstarkten Konkurrenz aus Hoffenheim, Stuttgart und Leipzig schwer genug.
Für die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany steht derweil erst die heiße Phase des internationalen Wettbewerbs an. Umso wichtiger war der Sieg am Samstagabend, durch den sich die Bayern in der Bundesliga nun mehr Rotation und Kräftesparen erlauben können als zuvor. Nicht nur gegen Dortmund wirkten die Münchner zuweilen überspielt und unkonzentriert. Sie konnten in diesem Jahr in neun Meisterschaftsspielen erst ein einziges Mal zu null spielen.
Es geht Richtung Frühling und der FCB fängt fast schon traditionell an zu wackeln. Diese Saison scheint da bislang keine Ausnahme zu sein. Umso wichtiger werden nun Rückkehrer Jamal Musiala sowie die jungen Talente Lennart Karl und Tom Bischof, die mehr Einsatzzeit erhalten dürften.
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Zum eigenen Selbstverständnis gehören beim Rekordmeister sicherlich Siege gegen Borussia Dortmund und der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Doch diese Erfolge reichen schon lange nicht mehr aus für eine erfolgreiche Saison. Dazu gehört auch mal wieder der DFB-Pokal oder am besten die Champions-League-Trophäe. Und um diese Titel zu erreichen, muss Bayern nun wieder ein paar Gänge hochschalten.
