Machtfrage im Kühlschrank: Der verkorkste Start der Zuckersteuer ist symptomatisch
Wer sich in die Mahlzeiten und Essgewohnheiten anderer Menschen einmischen will, macht sich schnell unbeliebt. Das gilt für Privatpersonen untereinander – und erst recht, wenn die Politik das wagt.
Wann immer Regierungen sich an Vorschläge fürs Essen und Trinken machen, ist Empörung garantiert: sei es von den Menschen selbst, die wahlweise ihre Schnitzel, Feierabendbiere oder ihre Kuchenorgien bedroht sehen – oder von aufgeschreckten Stellen in den entsprechenden Branchen, die um ihren Anteil an dem Milliardenbusiness Lebensmittelindustrie fürchten.
Wie hochsensibel Ernährungsregulierungsmelder ausschlagen, zeigt jetzt auch die Zuckersteuer. Dass die kommen soll, hatte das Kabinett Ende April im Rahmen der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bereits in Grundsätzen beschlossen, womit der Fokus klar war: Es geht um Gesundheitsförderung.
Nun wurde ein Entwurf publik, demzufolge die neue Steuer aber nicht nur auf extrem zuckerhaltige Getränke anfallen sollte, sondern auch auf Fruchtsäfte, alkoholfreie Biere, Hafer- und Sojamilchersatz und sogar auf die sogenannten Zero-Getränke, die mit Zuckerersatzstoffen gesüßt werden.
Ariane Bemmer schreibt als Autorin für verschiedene Ressorts, vornehmlich........
