Regenwald vor dem Kipppunkt: Wenn die Bäume abgeholzt werden, bleibt der Regen aus
Gletscherschmelze: Nicht nur halb Grönland weg
Neue Studie: Die Klimakrise wird voraussichtlich jährlich Tausende Gletscher weltweit zum Verschwinden bringen und damit nicht nur Wasserversorgung, sondern auch kulturelles Erbe gefährden
Klima-Jahresrückblick 2025: Zu trocken, zu nass. Und zu heiß
Wir starten in das Jahr 2026 – und wo stehen wir im Klima? Über einen Anschlag auf die Natur, der uns in diesem Jahr brennend beschäftigen wird
Bundeswaldinventur: Unser grünes Herz ist aus dem Takt
Cem Özdemir hat kürzlich mit der Bundeswaldinventur die Performance des deutschen Waldes getadelt. Der kränkelt nämlich und stößt mehr Kohlenstoff aus als er aufnimmt. Welch eine Unverschämtheit
Grünes Wissen : Regenwald vor dem Kipppunkt: Wenn die Bäume abgeholzt werden, bleibt der Regen aus
Grünes Wissen to go: Tropische Wälder produzieren gigantische Regenmengen. Pro Hektar entstehen mindestens 2,4 Millionen Liter pro Jahr. Allerdings gefährdet der Klimawandel diese Produktivität
Foto: Michael Dantas/AFP/Getty Images
Der Fotosynthese sei Dank: Regenwälder produzieren große Mengen Niederschlag. Ein britisch-brasilianisches Forscherteam hat nun ermittelt, dass pro Hektar im Durchschnitt 240 Liter Regen pro Jahr durch den Wasserdampf entstehen, der Endprodukt der Fotosynthese ist. Nach Ermittlung der Forscher:innen sorgt dieser Regen für einen wirtschaftlichen Nutzen von 0,00594 Dollar pro Quadratmeter.
Der Regenwald im Amazonasbecken ist der Studie zufolge besonders produktiv: Dort entstehen 300 Liter pro Jahr. Das bedeutet andererseits, dass die fortschreitende Abholzung hier besonders drastische Folgen hat: Durchschnittlich wurden in den vergangenen Jahren 80 Millionen Hektar Regenwald vernichtet, der Rückgang der Niederschläge ist bereits messbar, berichtet das Team. Die Ernteerträge von Mais und Soja sind gesunken, das Team beziffert die Schäden auf fünf Milliarden Dollar jährlich.
Regenwälder binden große Mengen Kohlenstoff
Zweites Produkt der Fotosynthese ist Holz. Regenwälder binden große Mengen Kohlenstoff, den sie aus der Luft – Kohlendioxid – umbauen. Die Größenordnung ist gigantisch: Der Regenwald im Amazonasbecken speichert etwa 80 bis 123 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und bildet ein sich selbst versorgendes Phänomen.
Angetrieben von der Energie der Sonne, verdunsten die Bäume über ihre Blätter riesige Mengen Wasser – so viel, dass daraus Regenwolken entstehen. „Die regnen dann im Flachland und an den Hängen der Anden ab und versorgen so den Regenwald mit neuem Wasser“, sagt Christopher Reyer, Waldexperte am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Dabei bildet die bis zu 6.000 Meter hohe Gebirgskette eine Wasserbarriere: Spätestens hier müssen die Wolken aufsteigen, was sie abregnen lässt. Das Verdunstungswasser aus der Ebene speist Flüsse wie den Rio Negro, den Rio Madeira, den Rio Huallaga oder den Purus, die sich im Zentrum des Kontinents zum Amazonasfluss vereinen und das ganze Becken mit Wasser versorgen. An manchen Stellen ist der Zusammenfluss – der Amazonas – bis zu 20 Kilometer breit. Zum Vergleich: Der Bodensee bringt es an seiner breitesten Stelle auf 14 Kilometer.
Wenn zu wenig Wasser verdunstet, bilden sich weniger Wolken
Bislang half der Regenwald im Amazonas dem Menschen beim Klimaschutz: Auf einem Quadratkilometer sind bis zu 1.000 verschiedene Bäume produktiv, pro Jahr binden die Pflanzen und der Boden etwa 380 Millionen Tonnen Kohlenstoff, mehr als die 85 Millionen Einwohner Kolumbiens und Venezuelas zusammen. In seinen besten Zeiten machte das Ökosystem 5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen wett.
Allerdings ist das System in Gefahr: Wenn zu wenig Wasser verdunstet, bilden sich weniger Wolken. Die haben weniger Regen zur Folge, weshalb es weniger Wasser in den Flüssen gibt. Fallen Teile des Amazonasbeckens trocken, sterben die Bäume ab. Dadurch gibt es weniger Verdunster, was weniger Regen zur Folge hat und noch mehr Bäume sterben ab – ein Teufelskreis.
Historische Dürre seit Beginn der Messung vor 120 Jahren
Vor zehn Jahren waren 13 Prozent des Amazonas von Dürre betroffen. 2023 erlebte das Gebiet zwischen Juni und November eine „historische Dürre“, im vergangenen Jahr fiel der Pegel des Rio Negro auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen vor 120 Jahren. Der Wasserstand des Rio Madeira fiel im Oktober in Porto Velho, Hauptstadt des Bundesstaates Rondônia an der Grenze zu Bolivien, auf 25 Zentimeter. Zu dieser Jahreszeit sind dort 5 Meter normal.
Mit der Dürre kommen die Brände: 2024 registrierte das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) fast 280.000 Brände allein im brasilianischen Amazonasbecken, ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. 30 Millionen Hektar Wald wurden zerstört. Und damit jede Menge Verdunster, die nun nicht mehr zur Bildung von Regenwolken beitragen können.
2021 kam eine große internationale Studie zu dem Schluss, dass der Amazonaswald unmittelbar vor dem Kippen steht. Als einen Grund dafür identifizierte das Team das fortgesetzte Abholzen des Regenwaldes, was Niederschlagsmuster verändert und so den Wald weiter austrocknet.
Welche Themen rund um Umweltschutz und Klimakrise werden gerade diskutiert? Unser Überblick über die jüngsten Erkenntnisse gibt Ihnen Gelegenheit, am Küchentisch zu glänzen.
Mit Ihrem Abo können Sie pro Monat fünf Artikel verschenken. Die Texte sind für die Beschenkten kostenlos.
Mehr Infos erhalten Sie hier.
Aktuell sind Sie nicht eingeloggt. Wenn Sie diesen Artikel verschenken wollen, müssen Sie ein Digital-Abo abschließen.
