Kino | Neue „Wuthering Heights“-Verfilmung: Über Ragebait und ästhetische Schadenfreude
Wie schon bei Saltburn sorgt die Regisseurin Emerald Fennell auch mit Wuthering Heights hauptsächlich für eins: Aufregung! Während beim Vorgängerfilm noch diskutiert wurde, ob er clevere Klassenkritik oder lediglich ästhetisches „Sex Sells!“ war, spitzt sich die Debatte um die Adaptation der Gothic Novel von Emily Brontë um eine der größten kulturkritischen Fragen zu: was eine gute Verfilmung ausmache.
Fennell habe versagt, urteilten einige User:innen auf Instagram, X, Tiktok und Reddit schon Monate bevor die tragische Geschichte um Catherine Earnshaw und ihren Findlings-Bruder Heathcliff Premiere feierte. Dabei fügen sich Brontës Themen von Missbrauch, romantischer Obsession und Vergeltung perfekt in das Portfolio der Regisseurin, die 2021 für ihr Originaldrehbuch zu Promising Young Woman ihren ersten Oscar gewann. Außerdem ist Kameramann Linus Sandgren für Wuthering Heights wieder an Bord, der mit Saltburn bereits bewiesen hat, dass er opulente Natur ebenso brillant inszeniert wie opulente Landhäuser. Brontës Moor und seine Anwesen sind also in guten Händen. Woher dann die frühe Enttäuschung vieler?
Stein des Anstoßes war hauptsächlich, dass Fennell Heathcliff mit dem „weißen“ Jacob Elordi besetzt hatte, vermeintlich im Widerspruch zum Buch-Heathcliff. Zwar erfährt man im Text dessen genaue Herkunft nicht, auf seinen „dunklen“ Phänotyp wird jedoch häufig verbal Bezug genommen. Das filmisch zu ignorieren sei nicht nur aus Diversitätsgründen problematisch, sondern auch, weil seine Diskriminierungserfahrungen im Original seinen späteren rachelüsternen Charakter und das Zerwürfnis mit Kindheitsfreundin Catherine prägen.
Eine zweite Klage lautete, dass die launische Catherine mit der 35-jährigen Margot Robbie ebenfalls fehlbesetzt sei, schließlich sei Catherine im Buch weder blond noch wird sie darin älter als 18. Und dann hieß es noch, dass die Kostüme von Jacqueline Durran nicht in Brontës erzählte Zeit Ende des 18. Jahrhunderts passten – und überhaupt habe Fennell den Kern des Romans um familiäre Machtdynamiken, Armutszwänge und generationales Trauma völlig fehlinterpretiert.
„Inspired by the greatest love story of all time“, lautet der Slogan auf einem der Filmplakate, und schon die ersten Trailer-Ausschnitte ließen vermuten, dass explizite Erotik eine große Rolle spielen würde, obwohl der Text nur eine einzige Kuss-Szene........
