menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

KI-Bilder im „heute journal“: ZDF schickt Mitarbeiter zu Pflichtschulungen

7 0
19.02.2026

Nach der Verwendung von KI-generierten und veralteten Bildern in einem Beitrag über die US-Einwanderungsbehörde ICE hat das ZDF einem Medienbericht zufolge Konsequenzen angekündigt. Gegenüber dem Spiegel erklärte ein Sprecher des Senders: „Das ZDF arbeitet den Vorfall konsequent auf und erstellt einen Maßnahmenkatalog, um Abläufe bei der Verifikation von Bewegtbildmaterial noch strenger zu regeln. Dazu gehören auch zusätzliche, verpflichtende Schulungen für Mitarbeitende.“

Auslöser der Debatte war ein Nachrichtenbeitrag im heute journal vom vergangenen Sonntag. In dem Beitrag waren unter anderem mit Künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder verwendet worden. Eine Kennzeichnung, wie sie die internen KI-Regeln des Senders vorsehen, fehlte.

Zunächst teilte das ZDF auf Anfrage mit, dass zwar tatsächlich KI-generierte Bilder genutzt worden seien, die vorgeschriebene Kennzeichnung jedoch aus technischen Gründen unterblieben sei. Statt den Fehler transparent kenntlich zu machen, wurde die Sendung zunächst aus der Mediathek entfernt und anschließend in leicht korrigierter Fassung erneut hochgeladen. Erst später räumte der Sender weitergehende Versäumnisse ein und bat sein Publikum in einer weiteren Ausgabe des „heute journal“ um Entschuldigung.

Fake-Bilder beim ZDF: Keine Panne, eine neue Medien-Welt

Neben dem KI-generierten Material war in dem ursprünglichen Beitrag auch eine reale Aufnahme verwendet worden, die aus dem Jahr 2022 stammte und in einem anderen Kontext entstanden war.

Gegenüber dem Spiegel präzisierte das ZDF inzwischen die internen Abläufe. Die Autorin des Beitrags habe nach Darstellung des Senders „Videomaterial zur Bebilderung ihres Beitrags ausgewählt, ohne es vorher gewissenhaft und vollständig auf Herkunft und Authentizität überprüft zu haben“. Das entspreche nicht den journalistischen Regeln und Standards des ZDF. Weiter heißt es: „Auch von der ‚heute journal‘-Redaktion wurden die Prüf- und Verifikationsverfahren nicht wie vorgesehen angewendet“. Die Moderatorin Dunja Hayali habe demnach keine Kenntnis von den handwerklichen Fehlern im Beitrag gehabt. Auf eine Anfrage des Magazins habe sie jedoch nicht reagiert.

Der Vorfall hat eine breitere Debatte über journalistische Standards im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgelöst. Kritiker werfen dem Sender vor, zunächst nur zögerlich und widersprüchlich reagiert zu haben. Auch Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer äußerte sich gegenüber der Zeitung „Welt“. Er sprach von einem „unangenehmen Vorgang“, der ein Stück weit die Glaubwürdigkeit des Senders untergrabe.


© Berliner Zeitung