Es ist Zeit, nach 39 Jahren einen Albtraum zu beenden
Es ist Zeit, nach 39 Jahren einen Albtraum zu beenden
39 Jahre lang war Schweden für die Schweiz der hockeytechnische Nordpol – unerreichbar, übermächtig, beinahe mythisch. Nun kann ausgerechnet gegen die Schweden wahr werden, was einst absurd schien: der erste WM-Titel der Schweizer Hockeygeschichte.
Die Schweizer Nationalhymne erklingt nach dem 4:2-Sieg gegen Finnland.
Schweden war unser hockeytechnischer Nordpol. Dorthin zeigte der Kompass, dort lag die Zukunft, dort spielte die Zivilisation dieses unberechenbaren Sportes. Wir standen davor wie Pygmäen vor einer Sternwarte.
Zum ersten Mal begriffen habe ich das am 21. April 1987 in der Wiener Stadthalle. Die Schweiz war in die A-WM aufgestiegen, ein kurzer Besuch auf dem Olymp des Hockeys. Schweden zerlegte uns 12:1. Nach zwei Dritteln stand es 10:0, als hätten Erwachsene beschlossen, Kindern eine Lektion zu erteilen. Die Schweiz stieg punktlos wieder ab, Schweden wurde Weltmeister. Männer wie Bengt-Anke Gustafsson oder Hakan Loob wirkten wie Wesen von einem anderen Stern. Schweden schlagen? Der Gedanke existierte nicht einmal.
Fünf Jahre später, im Prager Hockeyfrühling von 1992, tauchte erstmals ein verbotener Gedanke auf: Vielleicht könnten wir sie besiegen. Die Schweiz spielte mutig, organisiert, fast modern. Der berühmte «Schweizer Riegel» aus dem Fussball funktionierte nun auch auf Kufen. Im Halbfinal wartete Schweden – und führte nach zwanzig Minuten bereits 3:0. Endstand 4:1. Schweden Weltmeister. Die Erkenntnis war brutal: Wir würden nie werden wie sie. Nicht in fünfzig Jahren.
Dann kam........
