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«Hoi» – wo sich der Artikel wie von selbst schreibt

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«Hoi» – wo sich der Artikel wie von selbst schreibt

Die Freiamt-Redaktionsmitglieder wagen in unregelmässigen Abständen den «Blick aus dem Fenster». Eine lose Kolumne, in der sie ihren Arbeitsplatz verlassen, die Perspektive wechseln und festhalten, was sie dabei erleben.

Ein sonniger Frühlingstag – und ich komme einfach nicht weiter mit meinem Artikel. Im Büro wirken alle so produktiv, nur ich starre auf den Bildschirm, möchte einen tollen Text über die tolle ehemalige Präsidentin eines Wohler Kulturlokals schreiben, bin aber wie blockiert. «Chef, was soll ich tun?», frage ich ohne grosse Hoffnung. Er überlegt kurz: «Gibt es keinen anderen Ort, an dem du arbeiten möchtest?» Da kommt mir die zündende Idee: «Das ‹Hoi›!»

Minuten später bestelle ich bei Olivia im inklusiven Kafi Hoi am Chilegässli einen Cappuccino mit Hafermilch und setze mich ans Fenster. Schon kommt er, der beste Kaffee von ganz Wohlen, wie die Integra wirbt, die das «Hoi» betreibt. Und zack, schreibt sich der Artikel wie von selbst. Obwohl es hier auch nicht ruhiger ist als im Büro. Im Hintergrund läuft das Radio, ab und zu sagen Baristas oder Gäste ein paar Worte. Ist es das alte Gemäuer oder die friedliche Atmosphäre, die meinen Artikel beschwingen?

Das Kafi Hoi in Wohlen.

Olivia findet es schade, dass gerade nicht mehr läuft im «Hoi». Es sind Frühlingsferien. Und es ist Mittwoch. «Der Freitag ist immer unser bester Tag», sagt sie. «Dann kommen manchmal so viele Kaffee-Bestellungen gleichzeitig, dass jemand anderes die Kaffeemaschine übernehmen muss, weil mich das überfordert», berichtet sie mit ihrem fröhlichen Lachen. Zufällig ist auch Integra-Geschäftsführer Jonas Meier im «Hoi» und bestätigt, dass sie sonst mit den Gästezahlen äusserst zufrieden sind.

Als Olivia weitergeht, nehme ich einen Schluck Cappuccino und schaue aus dem Fenster. Eben steigt eine junge Frau im violetten Sportanzug in ein Auto. Eine kleinere Version von ihr – gleiche lange Haare, gleicher violetter Trainer, vermutlich ihre Schwester – steigt auf der Beifahrerseite ein. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend.

So blickt man aus dem Fenster, wenn man im «Hoi» sitzt,

Zum dritten Mal geht ein Mann im besten Alter im sportlich-schicken Look am Fenster vorbei. Deutlich langsamer folgen ihm ein alter Herr und sein vermutlich ebenso altes Hündchen. Der Senior scheint sich nicht zu wundern, als sich das Hündchen vor dem «Hoi» aufs kühl beschattete Trottoir legt. Sie atmen durch, der Mann sagt ein paar liebe Worte und das Hündchen ist bereit, weiterzugehen.

Immer wieder lächeln mich Leute durchs Schaufenster an. Olivia läutet die letzte Runde ein. Das «Hoi» schliesst jeweils um 16 Uhr. Ich schmunzle. Um etwa 14.30 Uhr trat ich durch die Tür in der Hoffnung, um 16 Uhr meinen Artikel zu beenden. Jetzt ist es 15.52 Uhr und neben dem Artikel über die tolle Kultur-Frau ist auch ein Erlebnisbericht aus dem «Hoi» entstanden. Ich habe mit lieben Leuten geredet, feinen Kaffee getrunken und wurde immer wieder durchs Fenster angelächelt. Zufrieden gehe ich zurück ins Büro und lasse Olivia Feierabend machen.

Das Kafi Hoi hat übrigens jetzt auch samstags geöffnet.

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