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"Vergiss nicht: Du bist nur ein Roma"

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08.04.2026

Denis öffnet die Handykamera, zupft noch einmal kurz seine Haare zurecht und drückt auf Aufnehmen. Auf TikTok erzählt er seinen Follower:innen von seinen Erfolgen: ein Bachelorabschluss, eine Gewichtsabnahme von vierzig Kilogramm und der Kauf eines Hauses für seine Eltern. Doch schon kurz nachdem er sein Video auf TikTok postet, bimmelt sein Handy. „Vergiss nicht, du bist immer noch nur ein Roma“. Ein Kommentar, den Denis unter seinen Videos nicht zum ersten Mal liest. Der 28-Jährige spricht seit 2025 auf Social Media mit seinen ca. 22 Tausend Follower:innen offen über seine Wurzeln.

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Vieles lässt ihn mittlerweile kalt, denn er fühlt sich sicher in seiner Identität und sieht im „Roma-Sein“ weit mehr als die diskriminierenden Vorurteile, die damit oft verbunden werden. Doch dieser Satz trifft ihn dennoch. „Du weißt, du arbeitest hart, und du bist von dir selbst überzeugt, aber trotzdem kommt dann jemand und sagt dir, dass du ‚nur Roma‘ bist, und dementsprechend wären deine Erfolge nichts wert“.

Mit solchen diskriminierenden Kommentaren ist er nicht allein. Viele junge Rom:nja erleben sie täglich, online wie offline. Als Teil der größten ethnischen Minderheit Europas, mit rund 14 Millionen Menschen, sind sie immer wieder mit Antiziganismus, einer spezifischen Form von Rassismus gegen Rom:nja, konfrontiert. Gleichzeitig wächst eine Generation heran, die genau das nicht mehr hinnehmen will: Immer mehr junge Menschen aus der Community werden laut, klären auf und setzen sich im Netz und im Alltag aktiv dafür ein, rassistische Stereotype aufzubrechen.

Bei der Hochzeit auf zwei Stühlen schlafen

„Ich würde mich selbst als waschechten Wiener beschreiben“, so Denis. Seine Eltern kamen vor knapp vierzig Jahren gemeinsam mit seiner ältesten Schwester nach Österreich, er selbst wurde in Wien geboren. „Ich trage sowohl die österreichische als auch meine migrantische Kultur in mir“, sagt er. Im Alltag zeigen sich allerdings oft in kleinen, für Denis amüsanten, Momenten Unterschiede, etwa in Gesprächen darüber, wie seine Arbeitskolleg:innen ihren Feierabend verbringen, und wie anders es bei ihm aussieht. An Wochenenden ist der 28-Jährige nicht selten bei einem Geburtstag und zusätzlich auf einer Hochzeit. „Ich habe Freunde ohne Migrationshintergrund, die waren noch nie auf einer Hochzeit. Ich hingegen bin so aufgewachsen, dass ich einmal in der Woche auf einer Feier war und dort dann auf den Stühlen geschlafen habe“.

Generell würde Denis die Roma-Kultur als sehr traditionsbehaftet beschreiben. Allerdings anders als von vielen angenommen. Es gehe viel um Zusammenhalt und gegenseitige Stärkung: „Meine Familie bedeutet mir alles. Wir sind einfach füreinander da und meine Eltern haben mich immer bei all meinen Träumen unterstützt und mir nichts aufgezwungen.“ Häufig bekomme er die Frage, ob es bei seinen Schwestern auch so wäre – ob das Vorurteil stimme, dass Töchter strenger behandelt werden als Söhne. Dem war bei ihnen........

© Wiener Zeitung