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Wie „War on Terror“ den Überfall auf Venezuela ermöglichte

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09.01.2026

Der US-amerikanische Angriff auf Venezuela und die von der Trump-Regierung inszenierte Entführung des autokratischen Machthabers Nicolás Maduro hat, so scheint es zumindest, weite Teile der Welt weiterhin in Schockstarre versetzt. Über den Umstand, dass derart viele Menschen sich überrascht zeigten, wundert man sich dennoch. Ich selbst musste umgehend an die US-Invasion Afghanistans denken, die vor einem Vierteljahrhundert stattfand. Auch damals operierten anfangs Drohnen und US-Spezialeinheiten im Land, um nach den Terrorangriffen des 11. September 2001 das in Kabul herrschende Taliban-Regime zu stürzen und Al-Qaida-Führer Osama bin Laden ausfindig zu machen. Szenen heroischer US-Soldaten und feiernder Afghan:innen, die Washington und dem „freien Westen“ dankten, gingen um die Welt.

Was zu kurz kam: Jene Menschen, die von den US-Truppen bombardiert wurden und in den Jahren darauf von einem brutalen, pro-westlichem Regime, unter dem sich Warlords und Drogenbarone befanden, drangsaliert wurden. Der Afghanistan-Krieg gilt bis heute als völkerrechtlich legitimiert, weil er von den Vereinten Nationen mitgetragen wurde. Der allseits bekannte Ausgang des Krieges im Sommer 2021 und die damit einhergehende Rückkehr jener Taliban, die man einst gestürzt hatte, sowie der problematische Kriegsverlauf, der Hunderttausenden Menschen, allen voran Afghan:innen, das Leben kostete, wirft allerdings bis heute gravierende Fragen auf.

Eindeutiger war hingegen das amerikanische Scheitern im Irak. Als der damalige US-Präsident George W. Bush seine Koalition der Willigen aufstellte, um den irakischen Diktator Saddam Hussein zu entmachten, war die Anzahl der Unterstützer:innen im Vergleich zu Afghanistan deutlich kleiner. Deutschland, das am illegalen Irak-Überfall nicht teilnahm, wurde sogar ein „unilateraler Sündenfall“ vorgeworfen. Dabei war die Entscheidung Berlins richtig und wichtig, denn bereits früh wurde klar, dass es im Irak weder um Demokratie noch um Menschenrechte ging, sondern in erster Linie nur um das Öl. Jubelnde Iraker:innen, die Saddam Hussein ähnlich wie viele Afghan:innen die Taliban satt hatten oder heute viele Venezolaner:innen Maduro, änderten an dieser Realität nichts. Warum? Weil es nie um sie ging.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern macht Donald Trump kein Geheimnis aus seinen Absichten. Kurz nach der Entführung Maduros verdeutlichte er, dass es seiner Regierung um die........

© Wiener Zeitung