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Ein Jahr nach Amoklauf: Das Recht der Betroffenen auf Ruhe

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08.06.2026

Die mediale Berichterstattung nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse war für Betroffene belastend und oft respektlos.

Trotz vorhandener Leitfäden und rechtlicher Vorgaben werden Opferschutz und sensible Berichterstattung häufig vernachlässigt.

Ennio Resnik und Sam Askari fordern mehr Rücksicht, Prävention und gesellschaftliche Verantwortung statt Sensationsgier und oberflächlicher Aufmerksamkeit.

Amoklauf am 10. Juni 2025 in Graz: 10 Tote, Täter (21) erschoss sich selbst

Jüngstes Opfer war 14 Jahre alt

Medien wurden für mangelnden Opferschutz kritisiert

Waffengesetz nach dem Vorfall geändert

Die mediale Berichterstattung nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse war für Betroffene belastend und oft respektlos.

Trotz vorhandener Leitfäden und rechtlicher Vorgaben werden Opferschutz und sensible Berichterstattung häufig vernachlässigt.

Ennio Resnik und Sam Askari fordern mehr Rücksicht, Prävention und gesellschaftliche Verantwortung statt Sensationsgier und oberflächlicher Aufmerksamkeit.

Amoklauf am 10. Juni 2025 in Graz: 10 Tote, Täter (21) erschoss sich selbst

Jüngstes Opfer war 14 Jahre alt

Medien wurden für mangelnden Opferschutz kritisiert

Waffengesetz nach dem Vorfall geändert

7.30 Uhr, ein Tag nach dem Amoklauf am Grazer Borg Dreierschützengasse. Schulsprecher Ennio Resnik sitzt mit seiner Mutter im Auto, auf dem Weg zur Halle nahe der Schule, die für alle Kinder und Jugendlichen ein geschützter Raum sein soll. Da erreicht ihn die erste Nachricht: „Ennio, bitte hilf uns, da sind Leute mit Kamera, die lassen uns nicht in Ruhe.“

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Es wird nicht das letzte Mal an diesem Tag sein, dass seine Mitschüler:innen ihn verzweifelt um Hilfe bitten. Kurz darauf sieht sich Ennio gezwungen, selbst vor die Kameras und Mikrofone zu treten, um seine Mitschüler:innen abzuschirmen. „Wir würden gerne die Medien bitten, uns heute so gut es geht in Ruhe zu lassen“, sagt der heute 18-Jährige. „Wir wollen einfach nur zusammen trauern.“

Das war vor fast einem Jahr.

Übermorgen jährt sich der 10. Juni 2025 zum ersten Mal. An jenem Dienstag wurden im BORG Dreierschützengasse in Graz zehn Menschen ermordet. Der Täter, ein 21-jähriger Ex-Schüler, erschoss sich selbst. Das jüngste Opfer war 14 Jahre alt.

In der Berichterstattung über den Amoklauf läuft vieles falsch: bedrängte Schüler:innen, Videos aus dem Klassenzimmer, Reporter:innen vor der Täterwohnung, Zitate aus rechten Kanälen. Nicht nur in Boulevardmedien, auch in Qualitätsmedien. Und in sozialen Medien existiert ohnehin kaum Opferschutz.

Ich bin Teil dieser Medienmaschinerie. Auch ich habe als freie Journalistin am Tag nach dem Amoklauf Schüler:innen vor der Schule angesprochen, im Vorbeigehen, ob sie reden wollen. Ich schreibe diesen Text nicht aus der Distanz.

Jahrestage verleiten dazu, alles noch einmal „aufzuwärmen“: Betroffene vor Kameras zu holen, Hinterbliebene nach ihrem Schmerz zu befragen, den emotionalen Nerv für die Klicks und die Aufmerksamkeit zu treffen. Das kann es nicht sein. Das darf es nicht sein.

Dieser Text ist ein Versuch. Eine Reflexion darüber, was aus der Tragödie zu lernen ist. Nicht der Jahrestag selbst soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Tat, nicht der Täter. Sondern die Fragen: Wie können Erinnerung, Berichterstattung und öffentlicher Umgang gestaltet werden, ohne Menschen – in diesem Fall vor allem Kinder und Jugendliche – erneut zu belasten oder im schlimmsten Fall zu retraumatisieren?

„Als wären wir ausgeschlachtet worden“

Ennio Resnik sitzt im Garten, als wir per Videocall sprechen. Weil er ein bisschen verkühlt ist, haben sein Freund Sam Askari und ich ihn per Telefon und Lautsprecher zu uns ins leere Café Kaiserfeld nach Graz geholt. Ennio war damals Schulsprecher. Sam wurde angeschossen und hat den Amoklauf nur knapp überlebt. Beide wollen ihre Perspektive teilen.

Wenn Ennio an die Tage nach dem 10. Juni denkt, fällt ihm nicht nur die Trauer ein, sondern auch der Umgang der Medien. „Das war wirklich heftig und krass belastend. Da waren Sachen dabei, die unter aller Würde waren. Ich habe wirklich das Gefühl, als wären wir einfach ausgeschlachtet worden. Dass sie einfach Bilder haben, wo wir weinen.“ Der Fokus sei auch oft........

© Wiener Zeitung