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Erinnerung an Gilberto Salmoni

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07.02.2026

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Gilberto Salmoni ist jüngst im Alter von 97 Jahren verstorben. Das war erwartbar und dennoch stimmt es mich traurig. Weil ich ihn kannte. Und weil er einer der letzten Buchenwald-Überlebenden war. Ein feiner Mann. Er stammte aus Genua, wurde als Jugendlicher verfolgt und im August 1944 deportiert. Arbeit unter härtesten Bedingungen wartete auf den 16-Jährigen in Buchenwald und Weimar. Er überlebte. Ihm blieb nur noch seinen Bruder Renato.

Ich habe mit Gilberto Salmoni 2014 sprechen dürfen und habe ein Porträt über ihn geschrieben. Dabei habe ich diesen Satz über den Text gestellt: Wir haben später kaum über das, was uns passiert ist, geredet.

Denn: Alle anderen Familienmitglieder waren von den Nazis ermordet worden.

Salmoni wurde erst Ingenieur und studiert spät Psychologie, schrieb ein Buch über Alzheimer. Ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte. g.sommer@tlz.de

Und hier nun der Text aus der THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG vom 14.04.2014, S. 10, den ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser gerne zum Nachlesen zur Verfügung stelle:

Wir haben später kaum über das, was uns passiert ist, geredet

Gilberto Salmoni und sein Brüder Renato überlebten in Buchenwald

Von Gerlinde Sommer

Weimar

Gilberto Salmoni, Jahrgang 1928, hat Buchenwald überlebt. 16-jährig musste er schwer arbeiten, auch im Gleisbau. Später gab es für ihn einen Posten in der Lagerküche. Kartoffel schälen. Mit seinem Bruder Renato, Jahrgang 1913, teilte er sich nur anfänglich die Pritsche. Dann wies der Ältere den Jüngeren an, sich eine andere Schlafstatt zu suchen.

Gilberto hat das damals nicht verstanden, fügte sich aber. Auch nach dem Krieg, als die Brüder in ihre Heimat Genua zurückgekehrt waren, wurde darüber nicht gesprochen - so wie über die ganze Lagerzeit und all das, was ihnen widerfahren war.

Die Familie war bei Deportation vom Lager Fossoli Richtung Deutschland in Innsbruck für immer auseinandergerissen worden: Gilberto und Renato kamen nach Buchenwald. Vater, Mutter und........

© TLZ