menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Vom Mythos zur Krise: Warum die Schweiz ihre Unantastbarkeit verliert

10 0
16.01.2026

16. Januar 2026 | Reinhard Schlieker

Nestlé-Skandale, UBS-Großrisiken und US-Druck auf Pharma: Die Schweiz erlebt einen Realitätscheck, der ihre wirtschaftlichen und politischen Mythen erschüttert.

Von Reinhard Schlieker 

Das Land der eigenwilligen Eidgenossen, stolz auf seine Historie und seine Alleinstellungsmerkmale in der Welt, sieht sich derzeit den Konsequenzen aus krimineller Energie, Schlamperei, Versäumnissen und Vertuschungen ausgesetzt. Die gelobte – im doppelten Wortsinn – Neutralität der Schweizerischen Eidgenossenschaft war in Hinblick auf das Bankenwesen womöglich schon immer eine Schimäre. In regelmäßigen Abständen geraten die “Gnome aus Zürich” (Britenspott) ins Gerede, sei es, dass sie Vermögen zwielichtiger Oligarchen beherbergen, sei es, dass sie ins Visier internationaler Politik und Strafbehörden geraten. Was da im Laufe der Zeit an peinlichen Ermittlungsergebnissen schon zusammenkam, passt in keine Gelsenkirchener Sparkasse.

Der wahre Skandal spielt sich aber derzeit am Ufer des Genfer Sees ab. In Vevey thront das Imperium Nestlé – der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, mit einem Umsatz, den manche Staaten gern als Bruttoinlandsprodukt hätten. Neid ist momentan aber nicht angebracht: 2026 brennt's lichterloh. Dass sich die Vorstandschefs die Klinke in die Hand geben, daran will man sich nämlich nicht gewöhnen, vor allem die Aktienanleger tun es nicht. Vor drei Jahren bewegte sich das Nestlé-Papier auf die 130 Schweizer Franken zu. Heutzutage stehen da nur noch rund 75 Franken an der Kurstafel. Spitz gerechnet sind in drei Jahren 32,83 Prozent verlorengegangen. Böse Turbulenzen gab es jüngst vor allem aufgrund eines neuerlichen Skandals um Nestlé-Babynahrung.

Wie der Konzern bereits am 12. Dezember 2025 der europäischen Schnellwarnstelle........

© The European