Rückkehr der Mittellage: Deutschlands drei geopolitische Optionen
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Rückkehr der Mittellage: Deutschlands drei geopolitische Optionen
18. August 2026 | Jörg Nackmayr | Burghard Jepsen
Auf den Spuren der Karolinger? Als Eurasien? Oder mit den USA? Abschluss einer Essay-Serie über die Konsequenzen einer veränderten Weltordnung für den Westen, Europa und Berlin.
VON JÖRG-DIETRICH NACKMAYR UND BURGHARD JEPSEN
Deutschland steht erneut vor einer strategischen Grundfrage: Welche Rolle soll das Land in Europa und der Welt künftig spielen? Diese Frage stellt sich heute dringlicher denn je. Der relative Rückzug der Vereinigten Staaten, die Rückkehr russischer Machtpolitik und der globale Aufstieg Chinas verändern die geopolitische Architektur Europas grundlegend. Damit kehrt auch die deutsche Machtfrage zurück. Tatsächlich lassen sich für Deutschland drei große geopolitische Optionen erkennen. Keine davon ist vollkommen neu. Alle wurzeln tief in der europäischen Geschichte.
Option 1: Das Karolinger-Europa
Die erste Option ist das Karolinger-Europa. Dieses Modell knüpft an die historische Achse Paris–Berlin an. Sein geistiger Ursprung liegt im westlichen Europa Karls des Großen – geprägt durch den Rheinraum, katholische Traditionen und die Idee kontinentaler Integration. Politisch bedeutet dies eine enge deutsch-französische Kooperation als Kern europäischer Ordnung. Genau auf dieser Grundlage entstand nach 1945 die Europäische Union.
Doch dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Frankreich und Deutschland verfolgen heute unterschiedliche geopolitische Reflexe. Paris denkt strategisch-autonom und machtorientiert. Berlin bleibt transatlantisch geprägt und institutionell orientiert. Hinzu kommt, dass sich das Machtzentrum Europas seit der deutschen........
