Wenn der Narr die Psalmen tanzt: Mittelalter mit Augenzwinkern in Köln
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Wenn der Narr die Psalmen tanzt: Mittelalter mit Augenzwinkern in Köln
18. Februar 2026 | Constantin Graf von Hoensbroech und Ulrike Gräfin von Hoensbroech | Lesezeit: 5 Min.
Zwischen Karneval und Aschermittwoch: Ein Psalter-Brevier von 1300 zeigt im Kölner Museum Schnütgen, wie Humor und Glaube im Mittelalter zusammenfanden.
VON CONSTANTIN GRAF VON HOENSBROECH UND ULRIKE GRÄFIN VON HOENSBROECH
Ein fröhlicher Narr flankiert einen der Psalmen. Er tanzt auf einer farbenfrohen Blumenranke, die aus der Umrahmung des feierlichen Texts erwächst. Einige Seiten weiter lässt sich am unteren Rand des Textes ein Vogel in einer Schubkarre umherfahren. Zu einem anderen Gebet gesellt sich ein Paar und scheint sich neckisch um einen Ball zu balgen. So geht es über 900 Seiten, denn das hier erwähnte Psalter-Brevier aus dem Jahre 1300 ist ein besonders prächtiges Beispiel für die zu dieser Zeit praktizierte Ausgestaltung von Gebetbüchern.
Im direkten Kontrast zu den ernsten, spirituellen Inhalten mit den 150 Psalmen, Stundengebeten sowie einem Kalendarium mit Berechnung der beweglichen kirchlichen Festtage stehen die lebhaften Gestalten, Tiere, Figuren, Misch- und Fabelwesen sowie die bunten Ranken und Blätter, die Seite für Seite die gestochen scharf aufgeschriebenen uralten Texte bevölkern. „Diese Gegenüberstellung und Gegensätzlichkeit, etwa von Leben und Tod, von Freude und Leid oder Laster und Tugend oder eben Frömmigkeit und Humor waren im Mittelalter ein Prinzip bei der Abschrift der liturgischen Texte und deren Ausgestaltung in Büchern wie diesem“, weiß Karen Straub. Die Kuratorin am Museum Schnütgen in Köln ergänzt: „Alle diese Texte sind einerseits so heilig und ernst, aber andererseits doch so lebensbejahend und mit einem Augenzwinkern ausgestaltet.“
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