Trotz Einbrüche bei Gewerbesteuereinnahmen: Steißlingen steht dank Rücklagen gut da
Einen ersten Einblick auf die aktuelle Finanzsituation der Gemeinde Steißlingen und das vorläufige Jahresergebnis von 2025 gab die Kämmerin Nadja Scheffel bei der letzten Gemeinderatssitzung im März. Bürgermeister Benjamin Mors äußerte sich hoffnungsvoll, dass sich die Rekorddefizite nicht voll auf die Kommunen abbilden: „Wir müssen bestmöglich mit der Situation umgehen.“ Dazu gehört auch der Wille der Verwaltung, zehn Prozent der Ausgaben zu sparen. Inwieweit sich dies schon ausgewirkt habe, könne man aber in dem kurzen Zeitraum noch nicht sagen, anwortete Kämmerin Scheffel auf Nachfrage. Das vergangene Haushaltsjahr sei von erheblichen finanziellen Herausforderungen geprägt gewesen, erklärte Scheffel.
Vor allem sinkende Gewerbesteuereinnahmen seien bedenklich. „Nachdem im Jahr 2024 noch ein Gewerbesteueraufkommen von 6,1 Millionen Euro erzielt werden konnte, beliefen sich die Einnahmen im Jahr 2025 lediglich auf 4,9 Millionen Euro. Damit blieb diese zentrale Einnahmequelle der Gemeinde deutlich hinter dem Planansatz von 5,5 Millionen Euro zurück“, erläuterte sie ihr umfangreiches Zahlenwerk. Die Gewerbesteuereinnahmen könne die Gemeinde nicht steuern, zumal der Einbruch alle Branchen betreffe. Haushaltskonsolidierung sei darum wichtig. Im Ergebnishaushalt habe es Schwankungen und hohe Abschreibungen gegeben. Zudem würden viele Forderungen von den übergeordneten Stellen kommen. Darum schließe der Ergebnishaushalt mit einem negativen Ergebnis aus laufenden Verwaltungstätigkeiten ab.
Puffer ist trotz Defizite vorhanden
„Der Zahlungsmittelbedarf aus Investitionstätigkeiten im Finanzhaushalt beläuft sich auf rund 3 Millionen Euro. Ein wesentlicher Anteil entfiel auf die Eigenkapitalstärkung der Gemeindewerke für die notwendigen Investitionen im Netz und erneuerbare Energien. „Das war so im Haushalt nicht eingeplant“, erklärte Nadja Scheffel die Defizite gegenüber den Ratsmitgliedern. Trotzdem liege der Zahlungsmittelüberschuss im Finanzhaushalt mit rund 67.000 Euro im positiven Bereich. Das wiederum liege auch an den Fördermitteln in Höhe von 750.000 Euro sowie an Grundstücksverkäufen mit Erlösen von insgesamt 880.000 Euro.
Zahlen, Daten, Fakten
Beim Ergebnishaushalt, der sich auf laufende Verwaltungstätigkeit bezieht, standen ordentlichen Erträge von 17.559.812 Euro ordentliche Aufwendungen von 19.589.508 Euro entgegen. Dazu kamen außerordentliche Erträge von 673.267 Euro. Damit ergibt sich ein voraussichtlicher Bedarf von 1.356.729 Euro. Der Finanzhaushalt schließt dagegen voraussichtlich mit einem Plus von 67.048 Euro ab. Dieses ergibt sich aus Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit von 18.202.581 Euro und Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit von 18.135.533 Euro. Darunter fallen auch Investitionen mit Einzahlungen von 1.735.332 Euro und Auszahlungen von 4.740.451 Euro, also einem Minus von 3.005.119 Euro. Die Kämmerin listete bei den Auszahlungen zudem Plan und voraussichtliches Ergebnis auf. Bei Erwerb von Grundstücken waren 1.367.000 Euro geplant, 1.584.736 Euro wurden tatsächlich verausgabt, für Baumaßnahmen waren 2.680.000 Euro geplant und 1.635.491 Euro tatsächlich ausgegeben. Für bewegliches Vermögen waren 408.705 Euro geplant, benötigt wurden 155.723 Euro. Der Erwerb von Finanzvermögen - also die Eigenkapitalstärkung der Gemeindewerke und ein internes Darlehen - mit 1.350.050 Euro war nicht geplant, bei den immobilen Vermögensgegenständen waren 115.300 Euro geplant und 14.421 Euro wurden tatsächlich in Anspruch genommen.
Die Kämmerin blickte trotz der beschriebenen Entwicklung dank gebildeter Rücklagen positiv auf die Liquiditätslage der Gemeinde. Diese betrugen zum 31. Dezember 2025 immerhin noch 13 Millionen Euro und lagen damit noch über denen von 2021. „Wir hatten schon mehr, haben aber noch Puffer. Ich möchte keine Angst schüren“, fasste sie zusammen.
Sorge macht Scheffel, dem Bürgermeister und den Gemeinderäten, dass der laufende Betrieb in Steißlingen so nicht aus eigenen Mitteln gedeckt werden kann und somit die Rücklagen stetig schrumpfen, wenn sich an der allgemeinen Lage nichts ändert. Benjamin Mors blickte besonders sorgenvoll auf den Krankenhausneubau, der voraussichtlich über die Kreisumlage wesentlich von den Kommunen getragen werden müsse. „Die Herausforderungen wachsen“, befand der Bürgermeister.
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