Ende einer Ära: Familientreff Kunkelhaus stellt Kinderferienbetreuung ein
Der Brief an die Überlinger Familien ging bereits raus. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass der Familientreff Kunkelhaus e. V. nach 24 Jahren die Organisation und Durchführung der Kinderferienbetreuung in Kooperation mit der Stadt Überlingen ab dem Sommer 2026 in der bisherigen Form nicht mehr fortführen kann“, schrieb die Stadt. Die Entscheidung sei den Verantwortlichen nicht leichtgefallen, doch die zunehmenden Herausforderungen, was die Organisation und die Durchführung angehe, seien im Ehrenamt nicht mehr zu bewältigen.
Seit 2003 hatte der Familientreff in Kooperation mit der Stadt Überlingen Kindergarten- und Schulkinder im Alter von drei bis zwölf Jahren während den Sommerferien betreut. Waren es zeitweise bis zu 50 Kinder pro Woche, so waren 2025 insgesamt 34 Kinder aus 25 Familien für eine bis drei Wochen angemeldet. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Organisationsteam angedeutet, dass es immer schwieriger geworden sei, qualifiziertes Fachpersonal zu gewinnen, das oft auch nicht für die gesamten drei Wochen zur Verfügung gestanden habe. Hinzu komme, dass sich das Angebot durch die gestiegenen Personalkosten fast nicht mehr trage.
„Wir beenden das an einem guten Zeitpunkt und geben diese Aufgabe an die Stadt zurück“, erklärt Sabrina Scheu, die ehemalige Vereinsvorsitzende des Familientreffs Kunkelhaus, die ihr Amt kürzlich an Ante Kallis übergab. Da es zunehmend schwieriger geworden sei, Fachpersonal langfristig zu akquirieren, habe es zuletzt viele Wechsel innerhalb der drei Wochen gegeben. „Die Kinder haben aber mehr Betreuungsbedarf und die Verantwortung war ehrenamtlich nicht mehr leistbar“, verweist sie auf das verlässliche pädagogische Konzept, das man stets garantieren und umsetzen wollte.
„Das ist eine Ära, die zu Ende geht“
Raphael Wiedemer-Steidinger, Fachbereichsleiter bei der Stadt Überlingen für Bildung, Kultur und Musikschule, kann die angeführten Gründe sehr gut nachvollziehen. „Es ist aber mega schade, weil es ein wahnsinnig engagiertes Team war“, bedauert er. Da er selbst rund 15 Jahre Mitglied im Verein war, weiß er: „Das ist eine Ära, die zu Ende geht.“ Die Stadt habe die Kinderferienbetreuung mit Personal unterstützt, doch inzwischen sei klar, dass solch ein Konzept ab einer gewissen Größenordnung professionalisiert werden müsse. „Der logische nächste Schritt ist, die Nachfrage durch ein professionelles Angebot aufzufangen“, meint Wiedemer-Steidinger.
Dabei sieht der Fachbereichsleiter die Stadt ganz gut aufgestellt: Bezüglich der Krippen- und Kindergartenkinder sei man ohnehin in der Pflicht, abzüglich der Schließtage der Einrichtungen eine Betreuung sicherzustellen. „Und wenn die Eltern Not haben, wenn der Kindergarten schließt, dürfen sie die Kinder auch woanders hinbringen“, bezieht er sich auf die Handhabung während der versetzt gelegten Ferienzeiten. Die Betreuung für die Schulkinder habe man zentralisiert: „Dafür bieten sich Schulen an, die gut angebunden sind“, spielt er auf die Wiestor- und die Burgbergschule an.
Der Familientreff Kunkelhaus als Begegnungsstätte für Jung und Alt in der Krummebergstraße 20 in Überlingen bietet Kontaktmöglichkeiten, Beratung und Hilfe zur Selbsthilfe. Der 1993 gegründete Verein und das Jugendamt Bodenseekreis bilden die Säulen des Familientreffs, im Jahr 2000 kam die Stadt Überlingen als dritter Partner hinzu. Aktuelle Angebote sind auf der Website aufgeführt :www.familientreff-kunkelhaus.de
Keine Engpässe erwartet
Auch wenn im September der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für die künftigen Erstklässler starte, erwartet Wiedemer-Steidinger keinen Engpass, da das Angebot stets größer als die Nachfrage gewesen sei. „Wir werden das Angebot entsprechend der Bedarfe ausbauen und sind finanziell auch in der Lage dazu“, sagt er. Aufgrund der hohen Gewerbesteuerzahlungen könne die Stadt ihre Pflichtaufgaben erfüllen.
Auch der Familientreff Kunkelhaus will sich weiterhin in den Sommerferien engagieren, um Familien in ihrem Alltag mit Kindern zu unterstützen: „Wir sind schon in der Planung einer Alternative in einem kleineren Format“, kündigt Sabrina Scheu an, „und wir würden uns gern im Rahmen des Erlebnissommers etablieren“. Während sich das Programm des Jugendreferats an Kinder von 6 bis 12 richte, konzentriere man sich mit einzelnen Ferienangeboten für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren auf die Jüngsten. Abgesehen davon bleibe ein beliebtes Angebot bestehen: Jeden Dienstag im August treffe man sich vormittags selbstorganisiert auf einem Überlinger Spielplatz, wenn es wieder heißt: Ferienzeit gleich Spielplatzzeit.
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