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Milch und Diabetes: Können Milchprodukte vor der Stoffwechselkrankheit schützen?

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31.03.2026

Die meisten Diabetes-Patienten in Deutschland sind an Typ-2 erkrankt. Anders als bei Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse bei Typ-2-Diabetes noch Insulin. Doch die Körperzellen verwerten es nicht mehr effektiv. Wer sich gegen Typ-2-Diabetes schützen will, sollte sich ausreichend bewegen und auf eine gesunde Ernährung achten.

Tierische Produkte werden bei einem Typ-2-Diabetes in der Regel nur in geringen Mengen empfohlen. Doch zwei Studien haben gezeigt, dass der Konsum von Milchprodukten das Risiko senken könnte, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Besonders interessant: Das soll vor allem für Menschen mit einer Laktoseintoleranz gelten.

Diabetes: Schützt Milch vor der Stoffwechselerkrankung?

Ein Forscher-Team der Universität Neapel Federico II. hat 2022 untersucht, wie der Konsum von tierischen Produkten mit der Entstehung von Typ-2-Diabetes zusammenhängt. Vereinfacht gesagt haben die Wissenschaftler sich dafür durch Datenbanken geklickt, über 170 Studien ausgewertet und miteinander verglichen. Sie haben also eine große Meta-Analyse durchgeführt.

Bei dieser Analyse hat sich unter anderem gezeigt, dass der Konsum von Milchprodukten das Typ-2-Diabetes-Risiko senken kann:

Laut den Forschenden verringert der Konsum von 200 Gramm Milch pro Tag das Diabetes-Risiko um zehn Prozent.

Fettarme Milchprodukte (200 Gramm pro Tag) sollen zu einer Risikominderung von fünf Prozent führen.

Und Joghurt (100 Gramm pro Tag) soll das Erkrankungsrisiko um sechs Prozent senken.

Käse und Vollmilchprodukten haben den Forschenden zufolge hingegen keinen Einfluss darauf, ob man an Typ-2-Diabetes erkrankt.

Das Fazit der Studienautoren: „Milchprodukte sind reich an Nährstoffen, Vitaminen und anderen bioaktiven Verbindungen, die den Glukosestoffwechsel – die Verarbeitung von Zucker durch den Körper – positiv beeinflussen können.“

Die Betonung liegt hier allerdings auf „können“. Die Forschenden erklären, dass noch weitere Studien notwendig sind, um ihre Ergebnisse zu untermauern. Trotzdem zeigen sie sich zuversichtlich, dass der regelmäßige Verzehr von Milchprodukten in moderaten Mengen dabei helfen kann, das Risiko einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung zu senken. „Insbesondere von fettarmen Produkten, Milch und Joghurt“.

Übrigens: Während Typ-1-Diabetes meist schon im Kindesalter auftritt, entsteht eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung meist später im Leben.

Studie: Milch senkt bei Laktoseintoleranz das Diabetes-Risiko

Neben der großen Meta-Studie von 2022 gibt es noch eine weitere Studie, die zeigt, dass der Konsum von Milchprodukten das Risiko senken könnte, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Allerdings mit einer Einschränkung: Man muss laktoseintolerant sein.

Das mag erst einmal paradox klingen. Doch laut einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2023 – erschienen im Fachmagazin Nature Metabolism – verringert sich das Risiko einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung von laktoseintoleranten Menschen um rund 30 Prozent, wenn sie regelmäßig Milch trinken. Bei laktosetoleranten Menschen konnten die Forschenden hingegen keinen solchen Effekt feststellen.

Doch warum ist das so? „Es ist naheliegend, dass durch den Milchkonsum bestimmte Bakterien im Darm mit Milchzucker gefüttert werden und diese besser wachsen“, erklärt Prof. med. Robert Wagner vom Deutschen Diabetes-Zentrum in einer Stellungnahme zu der Studie. „Diese nützlichen Darmbakterien produzieren wiederum Substrate, die sich positiv auf den Stoffwechsel auswirken könnten, und gegen Typ-2-Diabetes schützen können.“

Der Unterschied zu Menschen ohne diese Einschränkung: „Laktosetolerante Personen hingegen zersetzen den durch die Milch aufgenommenen Milchzucker bereits im Dünndarm“, erklärt Wagner weiter. Dadurch komme dieser im Dickdarm nicht mehr an und füttere auch nicht mehr die nützlichen Bakterien. Allerdings handelt es sich hierbei erst einmal nur um eine Vermutung. Ein genauer Nachweis dieses Mechanismus ist den Autoren der Studie nicht gelungen.

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© Südkurier