menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Benzin bis zu 60 Cent pro Liter billiger: Der deutsche Tanktourismus in die Schweiz zieht wieder an

9 0
previous day

Der Tanktourismus, also die Fahrt zu einer Tankstelle im Ausland, war am Hochrhein schon nahezu zum Erliegen gekommen – und das auf beiden Seiten. Allenfalls kamen noch Schweizerinnen und Schweizer über den Rhein, um auf deutscher Seite den günstigen Diesel zu tanken. Sonst aber rechnete es sich kaum noch, auch angesichts des überaus starken Frankens. Jetzt aber nimmt der Tanktourismus wieder Fahrt auf, seit Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran. Bei Spritpreisen von hierzulande 2,30 Euro für Diesel und Super 95, wird die schweizerische Grenzregion preislich wieder attraktiv. Dort kostet der Liter Super 95 teils nur 1,54 Franken und der Liter Diesel 1,75 Franken. Beim aktuellen Frankenkurs sind das umgerechnet 1,70 Euro und 1,94 Euro – also knapp 40 bis 60 Cent weniger pro Liter.

Kein Wunder also, dass vor allem in direkter Grenznähe etwa entlang des Rheins die Schweizer Tankstellen gerade von Deutschen stark frequentiert sind. Bei einem Augenschein in Stein stehen bei der Tamoil-Tankstelle an der Schaffhauser Straße gleich vier Autos mit deutschem Nummernschild. Hier kostet der Liter Super 1,74 Franken – was also eher hochpreisig ist.

In Stein gibt es an der Kantonsstraße in Richtung Frick noch eine Tankstelle. Dort zeigt die elektronische Preistafel für Super mit 1,73 schon den Euro-Preis an. Auch noch im Fricktal, in Schwaderloch, tankt Christos Bitios aus Waldshut. „Ich komme jetzt öfter in die Schweiz zum Tanken“, sagt er. Er will die deutschen Preise nicht akzeptieren. Er sagt, die Konzerne verkauften den lange vor dem Iran-Krieg günstig eingekauften Sprit jetzt zu überteuerten Preisen.

Starke Zuwächse rund um Konstanz und Schaffhausen

Dass die Zahl deutscher Tanktouristen wieder deutlich angezogen hat, bestätigen auch Schweizer Tankstellenbetreiber. „Definitiv seit Anfang März“, so etwa Matthias Hübscher, Geschäftsführer Tankstellen bei Volenergy, zu dem die Tankstellen Ruedi Rüssel und BP zählen. Im Raum Schaffhausen und Konstanz sei das Tankvolumen aktuell doppelt so hoch, größtenteils auf deutsche Kundschaft aus der Grenzregion zurückzuführen. Dabei habe Volenergy aufgrund höherer Beschaffungskosten gegenüber Februar die Preise bereits erhöht – bis zu 15 Rappen pro Liter beim Benzin und rund 20 Rappen beim Diesel.

Teils aber gelten an Schweizer Tankstellen noch die Preise wie vor dem Iran-Krieg. So auch bei Hanspeter Frei, der in Eiken eine Tankstelle betreibt, mit aktuell 1,73 Franken für den Liter Super. „Ich sollte schon lange damit raufgehen“, sagt er. Denn auch er zahlt im Einkauf neuerdings deutlich mehr. Andererseits wolle er keinen „Preiskrieg“ anzetteln, wie er sagt. Und so wird er die Mehrkosten wohl auch nicht auf einen Schlag an seine Kundinnen und Kunden weiterreichen. Robert Weniger, Inhaber von Heizöl-Fredy in Stein, der mit Benzin handelt und in der Nordwestschweiz Tankstellen betreibt, sagt: „Die Schweiz ist bei Benzinpreiserhöhungen zurückhaltender als Deutschland. Sie gehen langsamer vonstatten und die Sprünge sind eher klein.“

Wobei auch Weniger sagt: „Klar geht aktuell viel in Sachen deutscher Tanktourismus, vor allen direkt an der Grenze.“ Indes macht er die Beobachtung, dass auch der innerschweizerische Tanktourismus an Fahrt aufnimmt. So kämen sie aus dem noch teureren Kanton Zürich in den Aargau, um sich dort die Tanks mit „Most“ zu füllen. 2022 hat der Touring Club Schweiz die Benzinradar-App lanciert. Darauf sind die Schweizer Tankstellenstandorte mit ihren jeweiligen Preisen aufgeführt. Die App ist aber communitygetrieben, das heißt, die Autofahrerinnen und Autofahrer müssen die Preise selbst erfassen und der App melden. Machen sie das nicht, gibt es entweder keine oder veraltete Preise. Tief sind diese eher an den bargeld- und personallosen SB-Tankstellen ohne angeschlossenen Shop.

2-Franken-Grenze teils schon geknackt

Offen aber ist, ob der Schweizer Preisvorteil bald noch groß genug sein wird, dass es sich weiter rentiert, über die Grenze zu fahren. Teils sei die 2-Franken-Grenze zumindest beim Diesel schon jetzt geknackt, sagt Hübscher. Aber dass die Schweizer Benzinpreise einmal ganz das deutsche Niveau erreichen werden, glaubt er wiederum auch nicht.

Eine Übersicht über die Preise an den Tankstellen in Deutschland finden Sie hier.

Auch im benachbarten Frankreich bewegen sich die Spritpreise aktuell (Stand 10. März) noch weitgehend unter der 2-Euro-Marke. Für Menschen in Grenznähe zum Elsass kann sich derzeit ein Tankausflug also auszahlen. In elsässischen Gemeinden wie Saint-Louis oder Huninque kann man laut der App www.benzinpreis-blitz.de teils für 1,84 Euro den Liter Super 95 tanken. Billigeres Benzin aus dem Ausland in Kanister füllen und nach Deutschland einführen, ist laut deutschem Zoll aber nur bis zu zehn Litern in einem Reservekanister abgabenfrei möglich.

Hans Christof Wagner Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Schweiz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Tankstelle Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier