Wohngeld: Wie viele Empfänger gibt es in Augsburg und Augsburg Land?
Wer nur über ein geringes Einkommen verfügt, ist unter Umständen auf finanzielle Unterstützung durch Sozialleistungen angewiesen. Zu diesen zählt auch das Wohngeld. Als Zuschuss zu den Wohnkosten soll es laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gezielt Haushalte oberhalb der Grundsicherungsgrenze entlasten. Um Wohngeld bekommen zu können, darf das Einkommen also auch nicht zu gering sein. Aktuell beziehen in Deutschland knapp 1,2 Millionen Haushalte die Leistung. Wie viele Empfängerinnen und Empfänger gibt es aber in Augsburg und Augsburg Land?
Übrigens: Wohngeld können nicht nur Mieterinnen und Mieter bekommen, sondern auch Menschen, die in ihrem Eigentum wohnen. Dann wird im Fachjargon laut dem BMWSB vom Lastenzuschuss gesprochen.
Kurz erklärt: Wer kann Wohngeld bekommen? Und was ist Wohngeld-Plus?
Das Wohngeld gibt es dem BMWSB zufolge bereits seit über 55 Jahren. Im Jahr 2023 wurde die Leistung durch die Wohngeld-Plus-Reform erweitert. Die Folge: Deutlich mehr Menschen können seitdem Wohngeld beziehen, die Höhe der Leistung hat sich im Durchschnitt der Haushalte verdoppelt und seit der Reform werden auch die Heizkosten berücksichtigt.
Ob ein Anspruch auf Wohngeld beziehungsweise Wohngeld Plus besteht und wie hoch die Leistung ausfällt, hängt laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr von drei Faktoren ab:
Anzahl der Haushaltsmitglieder
Höhe des Gesamteinkommens
Höhe der Miete oder der Wohnkosten-Belastung
Eine feste Einkommensgrenze – nach oben oder unten –, ab der man Wohngeld bekommen kann, gibt es nicht, diese wird individuell festgelegt. Laut dem BMWSB ist die Leistung aber grundsätzlich für Menschen gedacht, die wenig, aber nicht zu wenig Einkommen haben und keine anderen Leistungen erhalten, die die Wohnkosten abdecken. Damit richtet sich das Wohngeld laut dem Ministerium, insbesondere an Menschen mit einer geringen Rente, erwerbstätige Familien mit niedrigem Einkommen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich, Menschen im Pflegeheim sowie unter Umständen Studierende.
Wohngeld in Augsburg: Wie viele Menschen bekommen es in der Stadt?
Ende 2024 gab es in Bayern laut dem Statistischen Bundesamt etwa 110.260 Wohngeldhaushalte. Sie haben auf durchschnittlich 64 Quadratmetern gewohnt und hatten Mietausgaben oder Wohnkosten in Höhe von durchschnittlich 571 Euro. Im Schnitt haben sie 289 Euro Wohngeld pro Monat bekommen. Wie sieht es in Augsburg aus?
Augsburg gilt als die drittgrößte Stadt in Bayern. Ende 2025 hat sie ihrer Statistikseite zufolge 308.407 Einwohnerinnen und Einwohner in knapp 164.570 Haushalten gezählt. Wie Martin Schenkelberg, Sozialreferent der Stadt Augsburg, unserer Redaktion im März 2026 auf Anfrage mitteilte, beziehen aktuell etwa 5400 Haushalte im Stadtgebiet Wohngeld. Das entspricht etwa 3,28 Prozent der Haushalte in Augsburg.
Diese Zahl ist über die Jahre deutlich gestiegen und hat sich Schenkelberg zufolge seit Einführung des Wohngeld-Plus-Gesetzes zum 1. Januar 2023 mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2022 nur etwa 2500 Haushalte Wohngeld bezogen haben, waren es 2023 bereits 4000 Haushalte. Im Jahr 2024 stieg die Zahl auf 4600 und knackte 2025 mit etwa 5100 Haushalten die Fünftausender-Marke. „Dies liegt aber nicht daran, dass die soziale Lage sich in Augsburg verschärft hätte“, erklärt der Sozialreferent. Viel mehr sei der starke Anstieg auf die „bewusste Ausweitung des Empfängerkreises durch den Bundesgesetzgeber“ – also die Wohngeld-Reform – zurückzuführen.
Seit der Reform im Jahr 2023 ist nicht nur die Zahl der Anspruchsberechtigten gestiegen, auch die Höhe des Wohngeldes in Augsburg hat sich verändert. Aktuell liegt der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch in der Stadt bei etwa 380 Euro und ist damit in den vergangenen drei Jahren um rund 150 Euro gestiegen, erklärt Schenkelberg. Die Aufwendungen für wohngeldberechtigte Haushalte in Augsburg dürften sich damit pro Monat aktuell auf etwa zwei Millionen Euro belaufen.
Übrigens: Das Wohngeld wurde nicht nur 2023 erhöht, sondern zuletzt im Januar 2025. In diesem Jahr gibt es keine Anpassung. Eine solche ist erst wieder für 2027 geplant. Das Wohngeld wird nämlich in einem Turnus von zwei Jahren an die Preis- und Mietentwicklung angepasst und neu berechnet.
Wohngeld in Augsburg Land: So viele Menschen bekommen es im Umland
Im Augsburger Umland ist die Zahl der Wohngeld-Haushalte etwas geringer als in der Stadt. Wie eine Sprecherin des Landratsamts unserer Redaktion auf Nachfrage mitteilte, beziehen im Landkreis Augsburg mit Stand 1. Januar 2026 etwa 2400 Haushalte mit rund 7500 Personen Wohngeld. Schwerpunktmäßig würden sich diese in den größeren Städten und Gemeinden des Landkreises befinden – „wie Gersthofen, Meitingen, Schwabmünchen, Stadtbergen, Königsbrunn, Bobingen, Diedorf und Neusäß“, erklärt die Sprecherin. In diesen größeren Kommunen würden etwa 1700 Haushalte Wohngeld beziehen – rund 70 Prozent der berechtigten Haushalte in Augsburg Land. Die restlichen 30 Prozent – etwa 700 Haushalte – würden sich auf die kleineren Gemeinden im gesamten Landkreis verteilen.
Genau wie in der Stadt ist auch im Augsburger Umland die Zahl der Berechtigten seit der Wohngeld-Plus-Reform deutlich gestiegen. Im Januar 2023 zählte das Landratsamt 700 wohngeldberechtigte Haushalte mit etwa 2100 Personen. Im Vergleich zu den aktuellen Zahlen bedeutet das der Sprecherin zufolge eine Steigerung um 350 Prozent. Und: „Bis Ende des Jahres 2026 wird mit einer Gesamtsteigerung auf 400 Prozent gerechnet.“ Das würde etwa 2800 Wohngeld-Haushalte mit 8400 Personen bedeuten.
Im Landkreis Augsburg belaufen sich die Wohngeldaufwendungen – diese werden zu 50 Prozent aus Bundes- und 50 Prozent aus Mitteln des Freistaats Bayern finanziert – laut der Sprecherin des Landratsamts Augsburg derzeit auf circa 780.000 Euro pro Monat. Die Ausgaben für das ganze Jahr 2026 werden auf insgesamt 9,4 Millionen Euro prognostiziert. Daraus lässt sich ein durchschnittlicher monatlicher Wohngeldanspruch im Augsburger Umland von etwa 325 Euro je Haushalt berechnen – etwas weniger als im Stadtgebiet.
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