„Niemand wollte mich schützen“: Frauen aus Osteuropa sagen, was sie in der häuslichen Pflege erleben
„Eine Pflegerin, die behauptet, sie liebt diese Arbeit, lügt.“ Der Satz stammt von Eva Székely. Die 53-jährige Ungarin arbeitet seit sechs Jahren in deutschen und österreichischen Haushalten. Sie weiß, wovon sie spricht. Székely war in Neckarwestheim, als eine 80-Jährige sie täglich anschrie, in Aidlingen im Kreis Böblingen bei einem dementen Mann, der nachts an ihre Zimmertür klopfte. In Stuttgart erlebte sie, wie es auch sein kann. Mit einer Familie, die ihre Jahre nach dem Einsatz immer noch Grußkarten und Geschenke schickt - die damalige Klientin ist längst tot. Das sind die beiden Seiten ihrer Arbeit, meist aber, sagt sie, überwiegt die schlechte.
Weitere Frauen haben dem SÜDKURIER erzählt, wie sie diesen Beruf erleben, in persönlichen Gesprächen und im längeren Austausch über Messenger-Dienste. In Auszügen liegen uns Vertragsunterlagen vor. Neben Eva Székely soll hier auch Oksana zu Wort kommen. Sie arbeitete mehrere Jahre über eine polnische Agentur in baden-württembergischen Haushalten, aktuell lebt sie in Hegne, einem Ortsteil von Allensbach am Bodensee. Wir haben sie zusammen mit einem Dolmetscher getroffen.
Sie will ihren richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen, aus Angst um künftige Aufträge. Was sie und Eva Székely schildern, geben wir aus ihrer persönlichen Perspektive wieder. Was sie berichten, deckt sich mit den Gesprächen weiterer Frauen und den Recherchen des SÜDKURIER über das System der sogenannten 24-Stunden-Pflege. Der SÜDKURIER hat sich mit Beraterinnen des gewerkschaftlichen Netzwerkes Faire Mobilität über die Schilderungen ausgetauscht und die Struktur der Fälle bestätigen lassen. Es zeigt sich: Die meist weiblichen Betreuungskräfte werden schnell vermittelt, vor Ort sind sie dann regelmäßig auf sich allein gestellt.
Sie haben selbst Erfahrungen mit der häuslichen Betreuung gemacht? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen als........
