Ohn-Macht und Mut-Macht
Die diesjährige Eröffnungsrednerin der Salzburger Festspiele, Maria Kalesnikava, ist Musikerin, Kulturmanagerin und Bürgerrechtlerin aus Belarus sowie Ehrenprofessorin des Mozarteums Salzburg. Ihr Leben klingt wie ein Roman. 2020, im Jahr der gefälschten Präsidentschaftswahl, wurde sie als Ikone der belarussischen Freiheitsbewegung von den Schergen des Diktators Lukaschenko entführt. In einer inszenierten Flucht sollte sie außer Land gebracht werden. Aber Kalesnikava widersetzte sich in einer bühnenreifen Aktion: An der Grenze zur Ukraine sprang sie aus dem Auto, zerriss ihren Pass und marschierte zurück nach Belarus, wo sie zu elf Jahren Straflager verurteilt wurde. Fünf Jahre und vier Monate war die Flötistin in Haft. Sie erkrankte schwer und wurde notoperiert. Im Dezember 2025 wurde sie mit über 100 Dissidenten – darunter Friedensnobelpreisträger Ales Bialiatski und der Präsidentschaftskandidat 2020 Viktar Babaryka – freigelassen und abgeschoben. Die USA hatten nach jahrelangem Ringen den Austausch der Gefangenen erwirkt. Im Gegenzug hob Washington die Sanktionen gegen den Import von Kalidünger aus Belarus auf. Ein Gutpunkt für die Trump-Diplomatie mit dem Sondergesandten John Coale.
Mit Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo steht Maria Kalesnikava für die weibliche Dimension des........
